16 März 2014

Sonntagskolumne No. 80: Manchmal frage ich mich, warum...

...immer alles zum Zwang wird. 
In den letzten Wochen hörte ich von Freunden häufiger Sachen wie: "Man du bist ständig im Stress." oder "Du musst aufpassen, dass du dich nicht übernimmst."
Bis vor wenigen Tagen sah ich solche Äußerungen als Motivation und Lob, weiterhin so viel zu unternehmen und ehrgeizig zu bleiben. Bis letzten Sonntag. Ihr erinnert euch sicherlich, dass ich in meiner letzten Kolumne ein bisschen weinerlich war, weil meine Woche nicht gerade toll verlief. Während ich meine letzte Kolumne eintippte, hatte ich noch ein weiteres Problem, das ich aber erst im Laufe des Sonntags als solches erkannte. Bereits morgens wachte ich mit einem seltsamen Druckgefühl im Ohr auf, als wäre ich gerade im Flugzeug. Im Laufe des Tages wurde es immer stärker und mein Hörvermögen schränkte sich drastisch ein. Abends kam noch ein unangenehmer Fiep-Ton dazu, sodass ich mir langsam Sorgen über den Zustand meines linken Ohres machen musste.
Am Montagmorgen war das Druckgefühl leider nicht verschwunden, sondern noch schlimmer geworden. Ich hörte auf dem linken Ohr so gut wie gar nichts mehr, abgesehen von meinem Herzschlag. Irgendwas läuft schief. Dennoch quälte ich mich um 7 Uhr morgens aus dem Bett- schließlich stand eine 50h Arbeitswoche an. Als es gegen Nachmittag unmöglich wurde, mein Ohrproblem zu ignorieren, schleppte ich mich zum HNO-Arzt und ließ mich durchchecken. Einige Hörtests, Ohrguckern und Nasendurchleuchtungen später stand die Diagnose fest:
Vorstufe vom Hörsturz. Komplett vereitertes Innenohr, kein Innenohrdruck, Ohr hört nur noch 20% des eigentlichen, Antibiotika. 
Auslöser: Zu viel Stress, zu wenig Erholung. 
Wieder ein Foto aus der Street-Art Serie.
Bald dazu mehr
"Ok, krass.", dachte ich mir nach der Gardinenpredigt der Ärztin. Mehr fiel mir dazu nicht ein. Doch als ich in den kommenden Tagen abgesehen von meinen nächtlichen 4 Stunden Schlaf keine Minute Ruhe fand, begann ich nochmals über die Worte der Ärztin und auch über die Worte meiner Freunde nachzudenken. Vielleicht mache ich in letzter Zeit wirklich zu viel, aber mir fällt es gar nicht so recht auf, denn alles, was ich tue, bereitet mir eigentlich unheimlich viel Spaß. An welcher Stelle also ein bisschen zurückdrehen?

Nun. Ich habe diesen Blog vor fast 2 Jahren begonnen, um meine Gedanken festzuhalten und regelmäßig zu schreiben. Mich weiterzuentwickeln, Fotos zu machen und Projekte durchzuziehen. All das hat auch eigentlich sehr gut funktioniert, aber in den letzten Monaten ging es hier weniger darum, wirklich das zu sagen und zu schreiben, was mir aktuell auf der Seele brennt, als Deadlines einzuhalten.
Dienstag muss gebloggt werden. Und Donnerstags. Und denk an die Kolumne, die muss Sonntag am frühen Nachmittag online sein. Nicht gerade selten saß ich Sonntags vor einem leeren Bildschirm und dachte krampfhaft darüber nach, wie ich die Kolumne füllen kann. Irgendwann kam ich auch immer zu meinem Thema, aber das dauerte hin und wieder auch einige Stunden. 
Und wofür das Ganze?
Für mich? Selbstbestätigung? Gewohnheit? Regelmäßigkeit? Für die Leser?

Ich kann es ehrlich gesagt nicht mal genau beantworten, aber ich glaube, dass das Bloggen in letzter Zeit mehr Zwang als Spaß für mich geworden ist. Und genau an diesem Punkt setzt mein "Ich versuche mir weniger Stress zu machen und fange an, mich ab und zu einzuschränken"-Projekt an. 
Die Arbeitswoche habe ich gerade hinter mich gebracht und nächste Woche bin ich auf großer Poetry-Slam Tour. Und danach gehts für ein paar Tage in den Urlaub. Wenn ich so weiter machen würde, wie bisher hieße das für mein vorläufig letztes "freies" Wochenende zu Hause: 6-7 Blogposts vorbereiten und planen- und das funktioniert nicht.
Auf Blueten Staub werden zwar noch immer Posts kommen (schließlich ist und bleibt der Blog eine Herzenssache), aber möchte das Ganze ein bisschen zurückschrauben. Die Kolumne dann schreiben, wenn mir was auf der Seele brennt. Posts dann schreiben, wenn ich sie schreiben will. 
Und obwohl ich immer sage, dass es mir nicht darauf ankommt, viele Leser zu haben, merke ich, dass ich mich jetzt sorge, Leser zu verlieren, weil ich mich rar mache. Aber das ist dann vielleicht einfach eine Mutprobe, der ich mich stellen muss.

6 Kommentare:

  1. Danke für diesen tollen, ehrlichen Post! Ich muss zugeben, dass es mir manchmal ähnlich geht - eigentlich echt schrecklich, aber immer öfter wird das "Ich will heute bloggen" zum "Ich muss heute Abend noch diesen und jenen Post erstellen". Dabei passiert es mir oft, dass ich unheimlich viel Spaß daran habe, draußen herumzustreifen und Fotos zu machen, und später genervt bin, die alle bearbeiten und hochladen zu müssen. Zeit fern vom Laptop ist einfach die beste Inspirations- und Motivationsquelle :)

    Und mach dir keine Sorgen wegen der Leser! Die folgen dir auch noch, wenn nicht jeden zweiten Tag ein Update kommt. Lieber ausführliche, tolle Posts, die mit Herzblut und Freude geschrieben wird, als irgendetwas, das aus Zwang entsteht. Ich hab deshalb in meinem Blog auch (außer dem Foto der Woche jeden Mittwoch und zwei monatlichen Aktionen) keine festen Zeiten - meine Posts kommen so, wie ich Lust habe. Vielleicht ist das ja auch ein Tipp für dich? Kolumne immer mal wieder statt jeden Sonntag - so setzt man sich nicht so unter Druck, und vielleicht kommen die Ideen dann ja von ganz allein.

    Gute Besserung auf jeden Fall! Du packst das schon! :)

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    1. Danke Ariane! Dein Kommentar ist wirklich sehr lieb und geht mir sehr nahe. Vermutlich ist man immer in seiner eigenen Welt so beschäftigt, dass man nicht merkt, dass es anderen auch mal so geht. Danke für das Aufbauen. Ich werde an deine Tipps denken! Liebe Grüße und bis bald!

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  2. Wer jetzt gerne immer wieder herkommt und deine Texte liest und deinen Blog vielleicht auch abonniert hat, der kommt sicher auch noch, wenn er ein bisschen auf den nächsten Eintrag warten muss :) Solange du mit dem Schreiben nicht deine Brötchen verdienen musst, sollte es finde ich auf keinen Fall zur Pflicht werden. Vor allem, wenn dann noch die Gesundheit drunter leidet.
    Alles Gute!

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  3. Gute Besserung! Ich glaube, du musst keine Angst haben, du schreibst so gut, selbst wenn jetzt 1-2 Leute abspringen - neue werden hinzukommen! Erhol dich gut!

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