09 März 2014

Sonntagskolumne No. 79: Manchmal frage ich mich, warum...

...man sich so leicht runterreißen lässt.


Früher wurde ich von jemanden mit den Worten: "Du bist ganz schön labil." kritisiert. 
Nachdem meine vergangene Woche ehrlich gesagt ziemlich bescheiden gelaufen ist, erinnerte ich mich gestern Abend an diese Kritik. Laut Definition ist jemand, der labil ist, nicht fest gefügt, sondern zur Veränderung, zu Schwankungen neigend, unbeständig und leicht störbar. 
Da ich die Pubertät mittlerweile dann doch schon hinter mich gelassen habe, eindeutig nicht schwanger bin und auch die Wechseljahre noch in weiter Ferne liegen, komme ich nicht umhin, meine Stimmungsextreme und Verallgemeinerung/ Verabsolutierung von schlechten (bzw. auch guten) Ereignissen als Charaktereigenschaft zu verbuchen. 
Bei meinem samstagabendlichen Schwermut hellte die Feststellung, dass ich dann wohl wirklich labil bin, meine Laune nicht gerade auf. Irgendwann stand ich dann heulend vor dem Menschen, der mich mit all meinen Macken kennt und trotzdem mag und kotzte mich über das ungerechte Leben aus. Und dieser Mensch tat genau das, was in der Situation das Beste sein konnte: Er redete mit mir. 
Er holte mich zunächst auf den Boden der Tatsachen zurück und fasste mal eben für mich zusammen, dass nicht mein komplettes Leben blöd ist, sondern viele, viele Dinge ganz großartig und wunderbar sind. 
Eine Umarmung und die Umdefinition: "Ach was, labil. Das ist halt Empfindsamkeit!" taten dann den Rest. 
Gestern in Dessau. 
Ich denke, wenn man Menschen hat, auf die man sich immer verlassen kann, ist selbst das Wort "labil" nur noch ein dummes Wort von einem oberflächlichen Doofkopf. Ich denke, dass es völlig in Ordnung ist, von Zeit zu Zeit die Welt zu hassen, alles ungerecht zu finden und ein bisschen im Selbstmitleid zu versinken- um dann wieder von Freunden aufgebaut zu werden. 
Vulkanausbrüche sorgen schließlich auch dafür, dass die Erde neuen Dünger bekommt und dann das Gras grüner wächst. Warum das Ganze dann nicht auch mal auf emotionaler Ebene? Solange später wieder der Punkt kommt, an dem man feststellt (oder ein Freund es für einen feststellt), dass irgendwie irgendwann wieder bessere Zeiten kommen, darf man sich in eine Stimmung reinsteigern. 

Und siehe da: Heute scheint wieder die Sonne, die Eindrücke von der Woche sind zwar nicht vergessen, aber sagen wir mal akzeptiert und ausgeglichen. 

Auch, wenn der Satz schon etwas "ausgelutscht" (haha) ist, ich aber nicht genau weiß, wie ich diese Kolumne jetzt zu Ende bringen soll: "When life gives you lemons, make lemonade!" oder für die Labilen unter euch: "...ask for Tequila and salt."

    1 Kommentar:

    1. Es ist toll einen Freund zu haben, der dich kennt, zu dir steht und dich aufbaut :') !

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