01 Dezember 2013

Sonntagskolumne No. 66: Kann man nicht einfach mal...

...vorweihnachtlich sein?
Obwohl ich sehr viel Herzblut in meinen Blog stecke, fällt es mir nicht gerade leicht, auf allgemeine, aktuelle Bedürfnisse ausreichend einzugehen. Während andere Blogger ihre selbstgebastelten Adventskalender, ihre selbstgebackenen Plätzchen und ihre Advents-Weihnachts-Gewinnspiele veranstalten, dümpel ich hier so ein bisschen vor mich hin. Nach stundenlangem Grübeln, kam mir dann doch eine Idee. Der letzte Monat des Jahres hat begonnen und siehe da: Die Sonntagskolumne fällt immer auf Adventssonntage (was für ein Zufall). Da bietet es sich doch an,  die nächsten Sonntagskolumnen als Spezialsonntagskolumnen über weihnachtliche Themen zu schreiben.

01.12.13 - Weihnachts-Zeit, oder: Weniger ist mehr
08.12.13 - Geschenke, die wirklich toll sind (klick)
15.12.13 - Plätzchenbackunfälle
22.12.13 - Überraschung


1. vorweihnachtliche Sonntagskolumne: Weihnachts-Zeit, oder: Weniger ist mehr
Gerade zur Vorweihnachtszeit fällt mir in den letzten Jahren immer wieder auf, wie sich meine Wahrnehmung von Zeit verändert hat. Früher lag zwischen dem Buntwerden der Blätter und dem Öffnen des ersten Adventskalender-Türchens eine halbe Ewigkeit. Weihnachten schien nie zu kommen und das ganze Jahr dauerte fünf Mal länger als es das heute tut. Selbst der Weihnachtsmarkt stand für mich sehr lange, und ich konnte nie verstehen, warum meine Mutter sich darüber beschwerte, kaum die Zeit für einen Glühwein und anschließendes Bummeln durch die Stände zu finden. Ich hingegen lief wie durch einen verlangsamten Zeitfilter, Ewigkeiten konnte ich an meinem Lieblingsstand mit den holzgeschnitzten Zwergenfiguren stehen und mir jedes noch so unscheinbare Detail minutenlang anschauen. Ich weiß nicht, weshalb die Empfindungen meiner Mutter (und meine heutigen) so sehr von denen meines 9-jährigen Ichs abweichen. Aber ich nehme an, es hat etwas mit der Konzentration und der Verzauberung zu tun, die ich als Kind empfand, wenn ich die weihnachtlichen Buden bestaunte. Ich war hingerissen, gebannt und gefesselt vom Hier und Jetzt, kannte keine Sorgen und erst recht keine Gedanken an etwas anderes als an das, was meine Sinne eben gerade fesselte. 
Heute ist das freilich anders. 
Ich bemerke im Augenwinkel im September schon die Lebkuchen im Supermarkt und rege mich auf. "Immer früher, das kann doch nicht sein!" Ich mache mir im November bereits Gedanken zu Weihnachtsgeschenken und werde irgendwann völlig überrascht, wenn auf dem Marktplatz bereits der Weihnachtsmarkt aufgebaut und geöffnet ist. Meist erhasche ich nur im vorbeieilen die Düfte der Zuckerstände und das Gedudel der Fahrgeschäfte. Und bevor ich einen Abend wirklich dem Weihnachtsmarktbummel widmen kann oder zum Plätzchen backen komme- oder schöne Weihnachtsgeschenke finde- ist mit einem Schnipser schon Silvester. Und mit dem nächsen Schnipser schon das kommende Jahr halb vorbei. 
Ich glaube, dass die Weihnachtszeit nur wirklich schön ist, wenn man Kind ist. 
Als Kind kann man sich für viele Dinge begeistern, weil man wenig Sorgen hat. Als Kind braucht man sich keinen Kopf um Geschenke machen, man muss nicht zur Uni, man muss nicht arbeiten, die Steuererklärung ist da noch ein Fremdwort.
Aber wenn man irgendwann alt genug ist und die Zeit immer schneller und immer schneller vorbei geht, ist es doch ein schöner Trost, sich noch an dieses Gefühl von Früher zu erinnern. An die vorweihnachtliche Vorfreude. Die Lichter, die Gerüche, die Musik: all das zaubert uns für einen Moment ein kindliches Strahlen in die Augen.

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