25 August 2013

Sonntagskolumne No. 54: Kann man nicht einfach mal...

...Volksfeste komplett ignorieren?
Egal ob Sommer, Frühling, Herbst oder Winter- es gibt fast immer eine Gelegenheit zum feiern. Das ist ja auch prinzipiell nicht schlimm, so lange es sich um eine gute Location mit guter Musik handelt. Aber wenn dann noch die Nebenfaktoren: exzessiver Alkoholkonsum, Fressbuden alle zwei Meter, ganz alte neben ganz jungen Menschen, kostspieliger Schnickschnack an Neonleuchtständen dazu kommen, das Ganze draußen stattfindet und die gute Musik durch Schlechte ersetzt wird, dann haben wir den Salat: es wird ein Volksfest gefeiert. In Halle ist an jedem letzten Augustwochenende wohl das berühmteste aller Menschenmassenaufläufe der Region: das Laternenfest. Ich wollte jetzt eigentlich noch mehr dazu schreiben, aber letztendlich treffen die bereits oben genannten Punkte zu. Schön ist vielleicht noch, dass es ein großes Feuerwerk gibt und eben Musik, Lichter und Laternen eine wichtige Rolle spielen.
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Warum ich Volksfeste hasse, ist ganz einfach erklärt: Eine große Menge der Leute sind betrunken und unzurechnungsfähig. Weil so viele Menschen unterwegs sind, ist es nicht zu vermeiden, von fremden Menschen berührt oder angerempelt zu werden. Speisen und Getränke sind teuer, angebotene Waren meistens von der Qualität nicht gut. Die Sanitäranlagen sind widerlich. Eine überwiegende Menge der gespielten Musik sagt mir ganz und gar nicht zu. Während man in bestimmten Clubs auch nur einen bestimmten Schlag von Menschen trifft, muss man sich auf Volksfesten mit allen auseinander setzen. Man trifft Menschen wieder, die man gar nicht sehen will. Man tanzt zu wenig und wartet viel zu viel. Eigentlich ist es immer dasselbe.
Warum ich dennoch zwei Abende auf dem Laternenfest vergeudete, ist etwas komplizierter. Erstmal vorweg: Es sind Semesterferien und viele meiner Freunde sind unterwegs oder haben keine Zeit- also unternimmt man momentan wenig mit den Freunden. 
Freitagabend:
Ich habe den ganzen Tag über Stress gehabt und will Abends etwas entspannendes machen. Doch fast jeder sagt mir ab, weil irgendwas dazwischen kommt. Also schnappe ich mir meinen Liebsten und ...tja irgendwie will ich dann doch die Lage auf dem Laternenfest sondieren. Nach 2h schmerzen die Füße, die Augen sind vom Anblick des typischen Volksfestes ermüdet und die Nase habe ich gestrichen voll. Auch das Anti-Volksfest-Open-Air etwas abseits hilft da nicht. Zum Tanzen ist der Abend noch zu jung und wir sind zu müde. Also geht es wieder heimwärts, mit einem Abstecher in einer Bar um da endlich die Entspannung zu finden, die der Abend gefordert hatte. 
Fazit: Kann man mal machen, muss man aber nicht.

Samstagabend:
"Meine besten Freunde sind wieder da und haben Zeit! Ja, man!", denke ich noch nichtsahnend. Dann schreiben sie mir zeitgleich die alles entscheidende Frage: "Gehst du auch zum Laternenfest?" Nun stehe ich vor der Wahl: Soll ich mich wieder den Massen und dem ganzen Mist aussetzen, um meine Freunde endlich mal wieder zu sehen- oooder soll ich absagen, mir einen schönen Abend machen und das Risiko eingehen, dass meine Freunde vielleicht so schnell nicht wieder Zeit haben. "Keine Experimente!" ist mein Schlussgedanke, als ich vor dem deutlich überfüllten Laternenfest stehe und einer riesigen Gruppe Menschen hinterhertrotte. Meine Erwartungen, mich mit meinen besten Freunden lang und breit auszutauschen, sind einfach nur vermessen. Viel zu sehr müssen wir aufpassen, von keinem Vollrauschler umgerissen zu werden. Nachdem eine Prügelei neben mir beginnt, mir wieder die Füße weh tun und ich die Nase mehr als voll habe und mehr Menschen wieder getroffen habe, als mir lieb ist, ergreife ich mehr oder weniger schnell die Flucht.

Fazit: Nächstes Mal kann das Wiedersehen warten. Volksfeste werden ab jetzt getrost ignoriert, auch wenn dort der Kaiser von China höchst persönlich ist. 
Einen tollen Abend mit besten Freunden kann man überall erleben- nur eben nicht auf Volksfesten!

12 Kommentare:

  1. Deine Abneigung kann ich verstehen. Weder das Preis- Leistungsverhältnis stimmt, noch die Stimmung.

    Oft denke ich mir, dass einige Leute nur das Volksfest besuchen, da sie sich dort mehr erlauben "können" als anders wo.

    Saufen, schubsen, pöbeln.

    Ganz toll - ich bleib ebenfalls lieber daheim.

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  2. Es gibt nur ein Volksfest, das ich gern besuche. Das ist in dem Dorf neben an - ich habe also einen relativ kurzen Weg nach Hause. Zu Fuß sind es 30 Minuten.
    Und ich muss zugegeben, dass es dort schön ist. Klar, es gibt Menschen, die zu viel trinken und andere anpöbeln. Aber in der Nähe unseren Stammplatzes sind sie doch eine Seltenheit. Das tolle ist, dass man dort alte Bekannte wieder sieht. Die Musik, die da läuft, ist auch gut. Aber auf unserem Platz bekommt man wenig davon mit. Und die Preise gehen auch. Die Cocktails sind meistens günstiger als in Clubs. Zu mindestens bin ich selten in einem Club, wo ich Cocktails für 5€ bekomme.
    Dieses Jahr wollte ich auch die Tanzfläche aber ich habe einfach viel zu viele Leute getroffen, mit denen ich mich unterhalten musste. Außerdem war ich ständig auf der Suche nach irgendjemanden. Das blöde ist, dass man dort keinen Empfang hat! Wenn man sich also nicht genau verabredet hat, ist das Treffen eine Glückssache.

    Die anderen Volksfeste meide ich auch genau den Gründen, die du erwähnt hast. Aber es gibt eben auch andere, bessere Volksfeste :P

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    1. ;) Ja, so ein verallgemeinerter Volksfest-Hass ist vermutlich nicht richtig. Ich denke so in dörflicher Nähe kann es ganz angenehm sein, wenn man die Menschen dort mag. ich komme ursprünglich auch aus einem kleineren Dorf, da war z.B. der Tanz in den Mai (+riesiges Lagerfeuer) immer sehr schön- bzw. da hat das positive überwogen. Aber in Städten ist einfach von allem too much!
      Aber das mit dem Handy Empfang- Das stimmt! Den habe ich die letzten Tage auf dem Fest auch nicht gehabt!

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  3. Kann deine Abneigung ebenfalls verstehen und sehe das gleich!
    Bin schon lange nicht mehr auf Volksfesten (zumindest nicht, wenn es sich vermeiden lässt ... was leider nicht immer der Fall ist)

    Vor allem natürlich nervt es, wenn dann andere sagen: "HEEEEEY, aber du MUSSSST mitkommen ..."
    Ich muss prinzipiell gar nix ... außer sterben :)

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    1. genau das ist der Punkt. Irgendwie ergeben sich Gelegenheiten, die einen dann doch da enden lassen. Aber ich werde in Zukunft dreimal überlegen, ob ich mir das antue ;)

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  4. Wie recht du hast. Einige Stadt- und Volksfeste habe ich schon gekonnt ignoriert. Ich bin auch nicht begeistert von Weihnachtsmärkten, da es dort ähnlich ist: Man schiebt sich von Fressbude zu Fressbude und mir wird alles zu eng. Da kann ich mir hunderte entspanntere und schönere Dinge vorstellen. Ich denke auch, dass ein gewisser Gruppenzwang mitschwingt à la "ein großes Event in der Stadt, da muss man einfach dabei sein"
    Aber ich habe auch schon Feste erlebt, die schön gemacht waren und zu denen ich immer wieder gehen würde.

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  5. Tja. Da gehts mir exakt wie dir... meistens geht man aber dann doch mit, weil man die Leute eh schon so wenig sieht. Seufz.

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  6. Habe ehrlich gesagt während der Schulzeit so ziemlcih alle großen Feste vermieden, das Oktoberfest in München habe ich in 8 Jahren kein einziges Mal betreten. Fand erst seit paar Jahren Gefallen daran, aber geeh ehrlich gesagt eher zu kleinen Stadfesten und wenn dann nur am Tage, da die Masse dann nicht vorhanden ist und die Zahl betrunkener Menschen eher bei Null liegt und man wirklich entspannt sich alles anschauen kann. Ich glaub es gab bisher etwa 3mal wo ich es richtig mies fand, einmal das Japanfest wo es in Regen geschüttet hat und sich trotzdem Leute auf dem Patz sich durchgequetscht haben. Da ist man einfach nur noch genervt und denkt sich "Was für eine Zeitverschwendung!"

    Aber das Laternenfest sieht auf den Bildern so schön aus, dass ich mir fast denke es zu riskieren dorthin zu gehen :)

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  7. ... Vollidioten total ignorieren?
    Ich soll mich nicht aufregen. Und niemanden beleidigen. Das versuche ich ab jetzt.
    Aber ich verstehe beim besten Willen nicht warum die Tatsache, dass ein Volksfest dämlich ist so eine unfssbare revolutionäre Feststellung ist. Ein Volksfest heißt so, weil es für jedermann ist. Und Tatsache ist auch, dass der deutsche Durchschnittbürger ein materiealistischer, aufmerksamkeitshaschender Egoist ist. Jede Situation ausschließlich unter Berücksichtigung des eigenen Nutzens beurteilt. Da der Durchschnittshallenser sich wohl nicht zu sozial stärkeren Schichten zählen kann, heißt das für ihn saufen und rumprollen. Das ist schon immer so. Hat sich überhaupt nichts verändert. Manche saufen und prollen und manche raffen sich dazu auf einen ziemlich schwachsinnigen Blog zu verfolgen.

    und um nicht ganz anonym zu bleiben, Richard ist mein Name.

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    1. Toller, super revolutionärer Kommentar, lieber Richard. Ich bin gerade schwer beeindruckt, dass du mich mit deiner Meinung so aufklären konntest.
      Da ich nie behauptet habe, mit dieser Kolumne eine revolutionäre Feststellung zu machen, ist es auch nicht verwunderlich, dass du es nicht verstehst. Aber schön, dass du so viel dazu zu sagen hast. Dann erkläre mir doch mal bitte, warum dennoch jedermann da hingeht, und eben nicht nur der "Durchschnittshallenser, der sich wohl nicht zu sozial stärkeren Schichten zählen kann". Und erkläre mir doch bitte mal, warum du dich so aufregst? Du weißt doch hoffentlich, dass Kolumne meint: "Einen kurzen Meinungsbeitrag zu einem bestimmten Thema"- und mehr ist es auch nicht. Wenn du dir wünscht, auf meinem Blog etwas zu lernen und mit revolutionären Feststellungen überschüttet zu werden, kann ich dir gerne meine politikwissenschaftlichen Hausarbeiten zuschicken. Der "Durschnittsblogleser" ist hingegen schon an unterhaltsamen Beiträgen und Meinungen interessiert, schwachsinnig hin oder her- darüber sollte man nicht streiten, da das eben, wie fast alles andere auch, subjektiv ist.

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    2. Antwort hast du ja privat. Und auch hier nochmal: "Jedermann und Durchschnittshallenser" ist tatsächlich das gleiche. ;)

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    3. Durchschnittshallenser und Jedermann ist eben nicht das gleiche. Wie du schon gesagt hast, ist der durchschnittshallenser so und so. Ein Durchschnitt errechnet sich aus vielen, also aus "jedermann"- wenn ich sage "nicht nur der durchschnittshallenser" rede ich von den Menschen, die dem Durchschnittshallenser nahe kommen, dh. zB. aus niederen sozialen Schichten. Jedermann ist aber eben nicht der durchschnittshallenser- der durchschnittsh. ist z.b. 30, hört die Atzen und trinkt 4l alkohol pro woche. Jedermann ist u.a. ich, 20, die nicht die atzen hört und nicht 4l alkohol pro woche trinkt- ebenfalls auch die Oma von nebenan, die 70 ist, auch nciht die atzen hört und gar kein alkohol trinkt. jedermann sind alle- und der durchschnittshallenser ergibt sich zwar aus allen, aber hat eben doch ein ganz bestimmtes äußeres.

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