Heute wollte ich euch nur kurz mal etwas Lesestoff geben. Eine "Kurzgeschichte", in der ich versucht habe, eine Menge seltsamer Gedanken festzuhalten. Ich weiß auch nicht, ist schon eine Weile her, dass ich die geschrieben habe- sagt einfach das dazu. (Aber bitte bedenkt, dass ich, falls eure Kritik vernichtend schlecht ist, das Schriftstellerdasein für immer an den Nagel hängen werde!!! ;D)
...Und für die Fotofanatiker noch ein Bild von meinem Darwin.
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| Ich nenne es: Das Streben nach Freiheit |
Der alte Mann
Die Arbeit war heute
anstrengend. Nein, heute ist kein besonderer Tag, sie ist immer so anstrengend.
Trotz oder gerade wegen seiner Chefposition im Krankenhaus wird er täglich mit
Problemen, Ärger und Stress konfrontiert und das seit bestimmt schon 30 Jahren,
wenn nicht noch länger.
Zuhause wartet seine Frau
auf ihn, mit einem Wildschweineintopf von seinem selbstgeschossenen
Wildschwein, denn sein Hobby ist die Jagd. Doch das Essen will ihm heute nicht
schmecken, ein Tischgespräch kommt auch nicht mehr zustande, was hat man sich
auch noch zu sagen? Nach dem Essen (seine Frau räumt alleine ab und macht den
Abwasch wie immer) geht er unruhig auf sein Zimmer. Der Raum ist, wie das ganze
Haus, holzvertäfelt und auf dem Boden liegt ein Braunbärfell, an den Wänden
hängen Köpfe von Antilopen (im ganzen Haus sind seine Jagdtrophäen ausgestellt)
und sie starren mit kalten Glasaugen auf jeden, der das Zimmer betritt. Das
Regal an der Wand ist ausschließlich mit medizinischen Bücherbänden ausgefüllt.
Mitten im Raum bleibt er stehen, unschlüssig und abwartend. Soll das alles
sein? Jeder Tag gleicht dem anderen und niemand ist da, der seinen Alltag
ändert? Sex hatte er lange nicht mehr, seit Jahren haben er und seine Frau
getrennte Zimmer, die Kinder sind auch schon verheiratet. Er hatte mal etwas
Großes am Laufen, eine Affäre mit einer bildhübschen Arbeitkollegin über
zwanzig Jahre lang. Gemeinsam mit ihr hat er sogar ein Mädchen und alle wissen
es, seine Tochter war sogar schon bei ihm und hat mit seiner Frau gekocht. Sie
hat es still geduldet. Er hatte gehofft, sie würde ausrasten vor Wut und
endlich mal schreien, aber nichts, der Alltag ging weiter bis er seine Affäre
soweit kaputt gemacht hat, dass Schluss war. Er hatte die Frau fast zugrunde
gerichtet mit seiner sturen, besitzeinnehmenden Art, bis sie endlich die Kraft
hatte, ihr eigenes Leben zu führen. Die Tochter hat auch kein Kontakt mehr zu
ihm. Er ist wie ein verbrauchter Waschlappen.
Auf seinem kleinen
Nachttisch stapeln sich Tabletten, nicht wegen der Trennung vor 2 Jahren, die
Tabletten nimmt er schon länger. Schlafmittel, Beruhigungsmittel, all so was.
Wein trinkt er auch, viel zu viel. Eine Scheibe zerschlagen oder mit seiner
Frau Sex haben irgendwas muss doch jetzt passieren, doch während er so wartend
im Zimmer steht, hört er bloß aus der Küche den asthmatischen Husten seiner
Frau und im Garten trinkt eine Amsel aus seinem angelegten Fischteich. Ja, er
ist einsam und nein, zugeben würde er so was nie. Anstatt abends in eine Bar zu
gehen oder einfach unbetrübt durch eine Einkaufspassage zu bummeln oder wie ein
kleiner Junge Eis zu schlemmen, verkriecht er sich in seiner Holzhütte und…
und… nichts! Jetzt zieht er sich um, er will joggen gehen und das vielleicht
noch nicht erfrorene Blut durch seine Adern pulsieren fühlen, wie damals, als
er noch jung war. Doch der Weg ist anstrengender als er gedacht hat und schon
nach zehn Minuten durch den Park rennen dringt ein knochenmarterndes Ziehen aus
der linken Hälfte seiner Brust. Ja das Herz macht schon länger Probleme, doch
er rennt weiter, bis zum See in der Mitte des Parks. Enten schwimmen über ihn
und irgendwo singt ein Vogel in der Abendstille. Die Wiesen sind von dunstigem
Nebel überzogen und Bäume wiegen sich in einem zarten Wind, es erinnert ihn an
einen Abend in seiner Jugend, als er noch Spaß hatte. An dem Abend war er mit
einem Freund aus seinem Internat weggelaufen und hatte sich mit ihm in der
Natur verkrochen um über Mädchen zu reden und am nächsten Tag höllischen Ärger
zu kassieren. Damals war alles noch so einfach und so unüberlegt und spontan
gewesen, heute hasste er Spontaneität und hasst sich dafür.
Er stoppt kurz und geht zum
Wasser. Sein Spiegelbild springt ihm hässlich ins Gesicht: Ja, du bist es und
du bist nicht der, der du denkst zu sein. Das ehemals tiefschwarze Haar ist
mittlerweile ergraut und auch die Färbung hatte es nicht wieder zurückgeholt.
Seine ehemals niedlichen grau-braunen Dackelaugen sind trüb vom Ärger und
Selbsthass geworden.
Die tollen Zeiten sind
vorbei, Affären wollen dich nicht mehr und selbst deine Kinder halten dich für
einen verstockten Narzissten.
Was tun? Direkt am Ufer
torkelt er ein Stück vor und zurück, zwischen dem ganzen Schilf und Moder.
Moder. Moder ist er auch. In seinem Kopf, durch seine Adern fließt er und eines
Tages bleibt auch nur dieser von ihm über.
Er springt in den See
schwimmt bis zur Mitte und lässt sich innerlich fallen. Ohne den vielen Wein
und den Tabletten im Blut wäre der Überlebensinstinkt für ihn eingesprungen,
aber so schließt sich das Wasser über ihn und es wird dunkel. Er sinkt immer
tiefer und spürt das Bersten seiner Lungen, während über der Wasseroberfläche
eine Riesenlibelle Eier ablegt.
SO würde ein Ausbruch,
vielleicht der einzig gute für ihn, seine Frau und die Gesellschaft aussehen.
Das wäre vielleicht nicht das Ende, was man von einem erfolgreichen Arzt und
Vater erwartet, aber Scheiß doch drauf.
….- Doch er steht immer noch
in seinem Zimmer und lässt die Gedanken galoppieren. Morgen mach ichs. Morgen
fang ich neu an.
Ich weiß noch nicht wie,
vielleicht reiße ich aus, vielleicht bringe ich mich um, aber was zu tun ist,
wird mir dann schon einfallen.

Schön geschrieben!
AntwortenLöschenDiese melancholischen Gedankengänge...
AntwortenLöschenArbeit ist nicht alles im Leben, das sollte man früh genug merken, um nicht zu Ende wie der Herr Prof.Dr.Frustration aus deiner Geschichte.
Gefällt mir sehr! :)
richtig richtig guter text
AntwortenLöschentoller text!
AntwortenLöschenSehr klar und dennoch reich an tiefen Gedankenbildern.
AntwortenLöschenMir gefällt es, wie du Emotionen über Geschriebenes transportieren kannst. Mehr davon!