Neulich
beklagte sich eine Freundin bei mir. Wir saßen in unserem Stammcafé zum Brunch
und meine Freundin zog ein Gesicht, das einem vetrockneten Laubfrosch sehr
ähnlich war. Auf meine viel zu häufig wiederholte Frage „Was ist denn los mit
dir?“, seufzte sie theatralisch und begann zu erzählen:
„Weißt du, ich will
eigentlich gar nicht drüber reden, weil du dann sonst was von mir denkst. Ich
weiß, dass es unglaublich arrogant und eingebildet klingt, aber es frustriert
mich langsam richtig.“
„WAS DENN?“
unterbrach ich, denn ihre pathetischen Einleitung fand ich schon immer etwas
anstrengend.
„Nun ja, es
ist so. Also. Ich glaube es gibt ein Gesetz der Schönheit.“
Meine
Freundin fuhr sich unauffällig durch das blonde, schulterlange Haar und
überprüfte mit einem Aufeinanderdrücken der Lippen ihren Lippenstift, bevor sie
weiterredete:
„Ich meine,
ich bin nicht hässlich und das weiß ich auch. Klar, sowas sagt man nicht vor
anderen, du musst ja bescheiden sein und bescheidenes Abstreiten des
Gutaussehens wirkt immer sympathisch… aber du weißt schon. Ich habe eine gute
Figur, ich trage weder totale Tussiklamotten noch völlig unmodernen abgeranzten
Kram. Ich achte auf mein Äußeres, kann nett lächeln und in einem Minirock sehen
meine Beine ganz ok aus.“
Meine Augenrollen entging ihr nicht, so hob sie
beschwichtigend die Hand und meinte:
„Ok. Das
Gesetz der Schönheit. Folgende Situation: Letzten Samstag, Tanzen. Ich allein
auf der Tanzfläche, um mich herum dickere, ältere und einfach nicht schönere
Frauen. Unrhythmischer und peinlicher Tanzstil. Du weißt schon, so richtig
klischeehaft. Und dennoch, keine Stunde später hatten alle einen
gutaussehenden, teilweise verdammt gutaussehenden Typ an der Backe, nur ich
nicht. Ich konnte mich von einem 13 jährigen, pickelgesichtigen PC-Nerd
antanzen lassen und nachdem ich den losgeworden bin kam ein fetter 50 jähriger
Busfahrer. Busfahrer? JA, das war das erste, was er mir, kaum war er in meiner
Nähe, ins Ohr flüsterte. „Baby, ich bin Busfahrer.“ Oha, oder? Ich meine, seit
wann wurden Busfahrer zu Machos und Sexobjekten erklärt? Ja, das klingt jetzt
alles total oberflächlich, aber das ist doch frustrierend!“
Ja, dachte
ich mir, ja das ist wahnsinnig oberflächlich. Aber als sie mir den gleichen
Verlauf bei ihren letzten Disko, Bars ja sogar Theaterbesuchen aufzählen
konnte, musste ich ihren Gedanken nochmal aufgreifen.
Gibt es ein
Gesetz für Schönheit? Ist es normal, dass schöne Männer lieber auf nicht so
schöne Frauen zugehen, frei nach dem Motto: „Gegensätze ziehen sich an“? Ist es
vielleicht ein noch nicht entdecktes Naturgesetz, dass zwei schöne Menschen
nicht zusammenpassen?
Als ich dann über den Spruch „Schönheit liegt im Auge des
Betrachters.“ kam, wirkten die Erlebnisse meiner Freundin plötzlich ganz
anders. Vielleicht waren die „schönen“ Männer nur für sie schön, vielleicht
bildete sie sich deshalb diese „schön-hässlich“ Sache nur ein? Oder war sie für gerade den „Typ Mann“ auf
den sie flog, der „Nicht-Typ Frau“, die diese Männer nicht ausstehen konnten.
Oder dieses gesunde Selbstbewusstsein meiner Freundin spiegelte sich auch in
ihrer Ausstrahlung wider, sodass sie auch beim Tanzen so unsympathisch wirkte,
wie im Gespräch auf mich.
Als ich dann
aber vorm Einschlafen an Mr. Right, an die Happy Ends
von Hollywood Filmen und die glücklichen Pärchen denken musste, fiel mir noch
ein anderer Satz ein, eine Lebensweisheit, die meine beste Freundin immer von
sich gab: "Den Richtigen findest du nur dann, wenn du gar nicht suchst. So mehr du nach einem Typen Ausschau hältst, umso stärker stößt du ihn von dir weg.“ Word.
Und dennoch weiß ich, dass diese Erkenntnis meine Freundin beim nächsten Brunch zum Augenrollen verleiten wird, denn diese Weisheit hat schon so einen Bart wie meine Großmutter.
Übrigens
ist mit dieser Kolumne Punkt 26 der To-Do Liste abgehakt, deshalb ein Zitat als Schlusswort (zum Sonntag) :
"Man erzieht uns in dem Glauben, dass die wahre Liebe nie den einfachen Weg nimmt. Es müssen sich immer im 2.Akt Hindernisse auftun, bevor man im 3.Akt zum Happy End wieder zusammenfinden darf."
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