29 Juni 2014

Sonntagskolumne No. 85: Manchmal frage ich mich, warum...

...wir uns alles immer so kompliziert machen

Neulich beklagte sich eine Freundin bei mir. Wir saßen in unserem Stammcafé zum Brunch und meine Freundin zog ein Gesicht, das einem vetrockneten Laubfrosch sehr ähnlich war. Auf meine viel zu häufig wiederholte Frage „Was ist denn los mit dir?“, seufzte sie theatralisch und begann zu erzählen:
„Weißt du, ich will eigentlich gar nicht drüber reden, weil du dann sonst was von mir denkst. Ich weiß, dass es unglaublich arrogant und eingebildet klingt, aber es frustriert mich langsam richtig.“
„WAS DENN?“ unterbrach ich, denn ihre pathetischen Einleitung fand ich schon immer etwas anstrengend.
„Nun ja, es ist so. Also. Ich glaube es gibt ein Gesetz der Schönheit.“

Meine Freundin fuhr sich unauffällig durch das blonde, schulterlange Haar und überprüfte mit einem Aufeinanderdrücken der Lippen ihren Lippenstift, bevor sie weiterredete:
„Ich meine, ich bin nicht hässlich und das weiß ich auch. Klar, sowas sagt man nicht vor anderen, du musst ja bescheiden sein und bescheidenes Abstreiten des Gutaussehens wirkt immer sympathisch… aber du weißt schon. Ich habe eine gute Figur, ich trage weder totale Tussiklamotten noch völlig unmodernen abgeranzten Kram. Ich achte auf mein Äußeres, kann nett lächeln und in einem Minirock sehen meine Beine ganz ok aus.“ 

Meine Augenrollen entging ihr nicht, so hob sie beschwichtigend die Hand und meinte:
„Ok. Das Gesetz der Schönheit. Folgende Situation: Letzten Samstag, Tanzen. Ich allein auf der Tanzfläche, um mich herum dickere, ältere und einfach nicht schönere Frauen. Unrhythmischer und peinlicher Tanzstil. Du weißt schon, so richtig klischeehaft. Und dennoch, keine Stunde später hatten alle einen gutaussehenden, teilweise verdammt gutaussehenden Typ an der Backe, nur ich nicht. Ich konnte mich von einem 13 jährigen, pickelgesichtigen PC-Nerd antanzen lassen und nachdem ich den losgeworden bin kam ein fetter 50 jähriger Busfahrer. Busfahrer? JA, das war das erste, was er mir, kaum war er in meiner Nähe, ins Ohr flüsterte. „Baby, ich bin Busfahrer.“ Oha, oder? Ich meine, seit wann wurden Busfahrer zu Machos und Sexobjekten erklärt? Ja, das klingt jetzt alles total oberflächlich, aber das ist doch frustrierend!“

Ja, dachte ich mir, ja das ist wahnsinnig oberflächlich. Aber als sie mir den gleichen Verlauf bei ihren letzten Disko, Bars ja sogar Theaterbesuchen aufzählen konnte, musste ich ihren Gedanken nochmal aufgreifen.
Gibt es ein Gesetz für Schönheit? Ist es normal, dass schöne Männer lieber auf nicht so schöne Frauen zugehen, frei nach dem Motto: „Gegensätze ziehen sich an“? Ist es vielleicht ein noch nicht entdecktes Naturgesetz, dass zwei schöne Menschen nicht zusammenpassen? 

Als ich dann über den Spruch „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ kam, wirkten die Erlebnisse meiner Freundin plötzlich ganz anders. Vielleicht waren die „schönen“ Männer nur für sie schön, vielleicht bildete sie sich deshalb diese „schön-hässlich“ Sache nur ein?  Oder war sie für gerade den „Typ Mann“ auf den sie flog, der „Nicht-Typ Frau“, die diese Männer nicht ausstehen konnten. Oder dieses gesunde Selbstbewusstsein meiner Freundin spiegelte sich auch in ihrer Ausstrahlung wider, sodass sie auch beim Tanzen so unsympathisch wirkte, wie im Gespräch auf mich.


Als ich dann aber vorm Einschlafen an Mr. Right, an die Happy Ends von Hollywood Filmen und die glücklichen Pärchen denken musste, fiel mir noch ein anderer Satz ein, eine Lebensweisheit, die meine beste Freundin immer von sich gab: "Den Richtigen findest du nur dann, wenn du gar nicht suchst. So mehr du nach einem Typen Ausschau hältst, umso stärker stößt du ihn von dir weg.“ Word. 
Und dennoch weiß ich, dass diese Erkenntnis meine Freundin beim nächsten Brunch zum Augenrollen verleiten wird, denn diese Weisheit hat schon so einen Bart wie meine Großmutter. 
Übrigens ist mit dieser Kolumne Punkt 26 der To-Do Liste abgehakt, deshalb ein Zitat als Schlusswort (zum Sonntag) :
 "Man erzieht uns in dem Glauben, dass die wahre Liebe nie den einfachen Weg nimmt. Es müssen sich immer im 2.Akt Hindernisse auftun, bevor man im 3.Akt zum Happy End wieder zusammenfinden darf."

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