...wir alles so eindimensional wahrnehmen.
Die Coolen wohnen immer in Berlin. Berlin ist die einzige Stadt, die groß und bunt ist, der einzige Ort, wo man wirklich frei und kreativ sein kann. Die Coolen sind immer frei und kreativ. Sie schaffen es, das Chaos zu ihrem Konzept machen und es zu strukturieren.
Die Coolen kommen auch immer an Drogen ran und kennen beim Konsum keine Hemmungen. Sie haben aber nie Abstürze und verlieren nie die Fassung. Sie kennen ihr Limit sehr gut, denn an dem leben sie permanent. Die Coolen sind die, die einem verweinten Mädchen zunicken und mit einem Satz, der aus dem Mund anderer abgedroschen klingen würde, das Leben erklären können.
"Ach, Mein. Dein. Das sind doch bürgerliche Kategorien."
Die Coolen müssen nicht viel reden, denn sie werden auch ohne Worte verstanden. Sie werden als Gesamtkunstwerk wahrgenommen- Gestik, Mimik, Worte und Stil sind immer aufeinander abgestimmt. Die Fassung verlieren sie nie, sie handeln nie unüberlegt. Aber weil sie die Coolen sind, unterstellt ihnen niemand Berechnung oder Einseitigkeit.
Die Coolen filtern ihre Gedanken nicht, sie müssen keine Scheu haben, dass andere ihre Leidenschaft oder Ansicht auslachen könnten.
Selbst, wenn es sich um Briefmarkensammeln handeln würde, die Coolen können alles so fundiert begründen, dass alle anderen sich unreflektiert fühlen. Sie schaffen es, andere Menschen zum Nachdenken zu bringen, da sie immer eine außergewöhnliche Sicht auf die Dinge haben.
Die Coolen sind schlau, sind verdammt klug. Wenn sie nachts um zwei nicht der Mittelpunkt auf dem Dancefloor sind, dann sitzen sie im Mittelpunkt einer WG-Küche und sind auch ohne Bart die großen Philosophen. Man fragt sie nicht um Rat und sie drängen sich einem nicht auf, sie sind einfach da und ohne es zu beabsichtigen, wird jedes ihrer Worte von den anderen aufgesogen.
Die Coolen fühlen sich nie ausgenutzt- sie brauchen keine negativen Emotionen gegen andere Menschen zu hegen. Sie vertreten alternative Lebensansichten und sind politisch informiert. Sie können überall mitreden und wissen zu allem eine Antwort.
Die Coolen treten nicht in Rudeln auf, sie sind Einzelgänger und haben Konkurrenzkämpfe nicht nötig. Sie teilen sich die Stadt in Reviere auf und folgen Regeln und Prinzipien, die Außenstehende nie erfassen können.
Und ...die Coolen werden nur unter Menschen cool. Wenn die Party vorüber ist, wenn der Raum am nächsten Tag nach kaltem Rauch und ihre Haut nach Schweiß riecht, wenn sogar ihr Kopf schmerzhaft den Wassermangel beklagt- dann sind sie wieder ein Teil von uns. Dann haben auch sie Selbstzweifel und kommen sich gewöhnlich vor. Dann denken sie an die Coolen ihrer Welt und wünschen sich, ein bisschen mehr wie die zu sein.
woher willst DU denn wissen wie die coolen drauf sind wenn niemand sie umgibt. ich zum beispiel bin verdammt cool und masturbiere in jeder minute in der mich andere nicht belästigen, allein und ohne einen hauch von selbstzweifel.
AntwortenLöschenin liebe dein joni
Hallo Joni. Vielen Dank für deine Freizügigkeit - und auch für deine Kritik. Allerdings hast du vermutlich die Provokation und ironische Verallgemeinerung der Kolumne nicht bemerkt. Ich würde mir nie anmaßen, zu behaupten, was (oder wer) cool ist und was (oder wer) nicht- ich wollte eigentlich nur deutlich machen, dass Menschen, die "man" für cool hält und deshalb gerne unrealistisch überhöht, auch nur wie du und ich sind. Wie du siehst, knüpft dein Kommentar also nicht so ganz inhaltlich an, aber : Gratulation für deine Selbstsicherheit
Löschenes tut mir leid. ich schäme mich für meine dreiste dummheit. doch eben jenes schamgefühl zeigt mir, das auch ich nicht gefeit bin gegen die abgründe der gewöhnlichkeit, ein wichtiger schritt, den ich nur dir verdanke! Danke!
AntwortenLöschenich habe gerade deine seiten in DEM POESIEALBUM bestaunt, die sind so gut gemacht, da MUSSTE ich dich gleich mal besuchen kommen. und nun sende ich es weiter, das dicke buch und bin gespannt, was daraus wird.
AntwortenLöschenuncoole grüße vom berliner vorstadtrand