Ich freue mich sehr, dass auf meinen ersten Teil des Reiseberichts so viele positive Resonanzen einflatterten und deshalb habe ich auch mit großer Motivation an der heutigen Fortsetzung gearbeitet. Falls ihr den ersten Teil verpasst habt, aber gerade zu bequem seid, nochmal nachzulesen, was ich dort berichtet habe, hier ein kleiner Einstieg: Nachdem ich durch Dauerstress mehr eine wandelnde Untote als ein Mensch war, hatte sich Herr Vonundzu kurzerhand eine Überraschung überlegt und mich für 4 Nächte nach Brügge entführt. Naja, nicht so richtig entführt, ich bin freiwillig mitgegangen. Wer würde bei einem Kurzurlaub schon nein sagen? Bei meinem ersten Bericht schilderte ich euch also unseren ersten Abend und den darauffolgenden Tag in Brügge. Ein typischer Touri-Gang durch die Stadt, mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (u.a. Belfried & eine Grachtentour) und teurem Essen inklusive. Heute berichte ich euch von dem zweiten Urlaubstag.
Tag 2: Brügges romantische Naturseite
Der Tag begann so entspannt, wie schon lange nicht mehr. Obwohl wir wieder recht früh aus den Federn hüpften (8:30, für Studenten gefühlt ein halber Tag früher als sonst). Sicherlich lag es einfach daran, dass die Alltagssorgen zuhause geblieben sind. Wir verließen das Hotel und wurden sofort von der Sonne begrüßt. Da wir uns vorgenommen hatten, heute die weniger touristischen Orte Brügges zu entdecken, machten wir uns auf den Weg zum südlichsten Rand der Altstadt. Richtung "Minnewatersee" (See der Liebe).
Schon auf dem Hinweg fiel uns auf, dass die Stadt heute deutlich voller war, als am Tag zuvor. Links auf dem Foto seht ihr diese Reisegruppenmenschen, die mich sicherlich niedergetrampelt hätten, hätte ich den selbst gewählten Sicherheitsabstand nicht eingehalten.
Der Minnewatersee selbst war nicht so romantisch, wie uns unser Hotelportier versprochen hatte. Aber das drum-herum gefiel uns sehr gut.
Vor allem war es wunderbar leer- während sich die Touristenmassen stadteinwärts voran drängten, konnten wir in ziemlicher Abgeschiedenheit die Seele baumeln lassen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Während eines kleinen Picknicks im Minnewaterpark entdeckte ich auf einmal etwas zwischen den Bäumen entlang huschen...
...also schlichen wir leise auf das Tier am anderen Ende der Wiese zu. Und siehe da: der Gockel war eitel und stolz- und verfügte offensichtlich über gute Englischkenntnisse, denn kaum hatte ich ihn gefragt, ob er Lust auf ein kleines Fotoshooting hätte, fing er schon mit seinen Posen an.
Als Herr Vonundzu es dann doch geschafft hatte, Gockel und mich zu trennen, setzen wir unsere Entdeckungstour durch Natur-Brügge fort und landeten im Beginenhof. Fakt am Rande: Beginen sind Frauen, die sich auf ein christlich andächtiges Leben entschieden, ohne das Klostergelübte abzulegen. Meist waren es Witwen und alleinstehende Frauen, die unabhängig von der Kirche eine riesige Wohngemeinschaft bildeten. Mittlerweile gibt es zwar keine Beginen mehr, aber der Beginenhof in Brügge wird noch als Benediktinerkloster genutzt.
Überraschenderweise war kaum jemand dort anzutreffen, sodass wir die zahlreichen Osterglocken bei einem Spaziergang über das Gelände in der andächtigen Ruhe genießen konnten. Vor dem Beginenhof steht übrigens dieser Pferdebrunnen. Auf dem Hinweg zum Minnewatersee sind wir schon an ihm vorbei gekommen und waren ganz verwundert, dass aus ihm jetzt so viel Wasser kam, wohingegen das Pferd eine Stunde zuvor nur ein paar Tropfen ausgespuckt hatte. Unsere Antwort bekamen wir sogleich, als ein Kutscher (einige Pferdekutschen halten an der Stelle für Touri-Stadtrundfahrten) einen Eimer darunter hielt, ihn mit Wasser für die Pferde füllte und dann an der Seite einen Hebel benutzte, woraufhin der Pferdebrunnen das Wasserspenden beendete. Brügge ist also wassersparend veranlagt und nutzt dazu Brunnen nicht nur dekorativ.
Im ersten Teil hatte ich euch ja erzählt, dass ich den Film "Brügge sehen... und sterben" sehr gern mag und der auch mehr oder weniger der Grund war, warum wir gerade zum beschissenen Märchenbrügge wollten. Um unserem Filmfan-Dasein gerecht zu werden, stand deshalb der Königin Astridpark auf unserer To.Do Liste.
Nach unserer Recherche, wo wohl die Protagonisten für die verschiedenen Szenen gesessen haben könnten (nein, ganz so freakig bin ich dann doch nicht, die Aufnahme oben ist nicht aufgrund einer Filmszene entstanden), setzten wir uns noch auf die Wiese und genossen die Sonne.
Gerade als wir weiter ziehen wollten, trafen wir noch einen Bekannten des Gockels. Allerdings war der Erpel bei weitem schüchternder. Oder einfach nur ein bisschen beleidigt, weil ich ihn beim Schlafen störte. Kurz bevor er davon watschelte, empfahl er uns aber ein Café, wo ein Freund von ihm arbeiten würde...
...und wir hörten natürlich auf seinen Ratschlag. Ein wunderschönes, am Kanal gelegenes Café erwartete uns. Zwar konnten wir dort wieder die Sonne genießen und uns unseres Urlaubs erfreuen, aber dieser Freund vom Erpel war ganz schön aufdringlich. Er wollte unbedingt meine keksige Kaffeebeilage. Im Austausch durfte ich ihn aber dann auch ablichten.
Jetzt kommen keine Vögel mehr, versprochen.
Die Windmühlen am Rande der Altstadt waren unser letztes großes Tagesziel. Mit aller noch vorhandenen Touri-Kraft erklommen wir die Hügel und obendrein noch die wackeligen Stufen der Mühle. Etwas traurig war, dass wir nicht in sie hineingucken durften, aber dafür wurden wir mit einer wirklich tollen Aussicht belohnt.
Auf dem Rückweg zum Hotel stoppten wir, eher zufällig, an einem weiteren Filmort. In "Brügge sehen... und sterben" unterhalten sich die Protagonisten hier, auf der Bank vor dem Denkmal sitzend, über Ansichten des Lebens (und über Kamikaze). Herr Vonundzu aber nutzte meinen Fotostopp anderweitig...
Soviel zu Tag 2. Im letzten Teil werde ich euch noch etwas über Brügges Umland und die Nordsee erzählen und vielleicht noch eine Karte mit den zusammenfassenden Tipps dalassen.
Diese Fotos, die schönsten bisher!
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