Meine Mutter fragt mich immer, wie ich ständig so viel zu tun haben kann. Kommilitonen fragen mich, wieso ich an manchen Tagen nicht zum lernen komme. Ich frage mich, wieso alle denken, dass ich mich vom Lernen ablenke und wieso ich trotzdem zu nichts komme. Und dann viel mir diese kleine Alltagsbegebenheit ein...
Seit über einer Woche ist Schleuderella, die liebenswürdige Waschmaschine, kaputt. Zu Beginn dachte ich, dass sie einfach einen schlechten Tag hat und mal Urlaub brauch, aber nach einigen Tagen musste ich feststellen, dass sie es ernst meint.
Nachdem Stecker ziehen, Sicherung an/aus machen, Waschmaschine streicheln, Waschmaschine in den Schlaf singen, Waschmaschine anbrüllen und Waschmaschine anflehen sich als überhaupt nicht effektive Reparaturmethoden herausgestellt hatten, musste ich also die 2-Jahres-Garantie-Hotline anrufen und einen Reparateur anfordern.
Das Schlimme daran ist nicht nur, dass die Wäsche sich mittlerweile meterhoch stapelt und ich Waschsalons total anstrengend finde- nein: der Termin für die Reparatur war erst in ein paar Tagen und obendrein noch zu einer wirklich miesen Uhrzeit (zwischen 8 und 11 Uhr). Nachdem der blöde Heizungsableser mich erst am Vortrag zu frühmorgenlichster Stunde aus dem Bett geklingelt hat, nun auch noch das!
Aber um mich nicht von unnötigen Kleinigkeiten ablenken zu lassen, machte ich einfach das beste aus der Situation: Ich verstaute die dreckige Wäsche unter dem Bett, damit ich sie nicht mehr sehen musste und entdeckte neue Ecken, weil ich einen großen Bogen um sämtliche Waschsalons machte.
Völlig übermüdet saß ich am großen Tag der Wiederauferstehung von Schleuderella morgens halb 8 in der Küche und wartete mit leichtem Groll auf den Reparaturmenschen.
Warum gibt es eigentlich solche Termine nur zu unfairen Zeiten? Ich meine, Menschen, die arbeiten müssen, haben eh nie vor 16 Uhr Zeit. Studenten, die ein angenehmes Leben führen wollen, stehen seltenst vor 10 Uhr auf. Wie soll man da solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen?
Kurz nach 9 Uhr stand dann der Overallmensch vor der Haustür. Ich hasste ihn ein bisschen. Hätte er nicht einfach einen genauen Termin sagen können, statt einem Zeitfenster von 3 Stunden? Ich war völlig umsonst eine Stunde früher aufgestanden und kämpfte nun mit meiner Müdigkeit. Seine übertrieben gute Laune störte mich und innerlich nahm ich mir vor, eines Tages auch Waschmaschinenreparateurin zu werden und mich an allen Frühaufstehern zu rechnen. Oh ja, ich könnte richtig gemein sein:
"Oh, ihre Waschmaschine ist kaputt? Ja, kein Problem! Wie wäre es mit nächstem Dienstag zwischen 22 Uhr und 1 Uhr nachts? Wie sie schlafen da schon? Tja, das geht leider nicht anders, so sind nun mal die Termine."
Der Overallmensch riss mich aus meinen bösen Gedanken, indem er mir mitteilte, dass es wohl an der Elektrik lag.
"Aha", sagte ich.
"Jaja", sagte er.
Er baute die ganzen Kabel und Knöpfe aus und sagte, dass er mal guckt, was er in der Werkstatt für Ersatzteile hat.
"Und wann kommen sie dann wieder?", fragte ich.
"Naja, da machen wir dann mal einen neuen Termin aus. Ich hab ja ihre Nummer. Vielleicht nächste oder übernächste Woche."
Statt vollends auszurasten bedankte ich mich mit sarkastischem Unterton und brachte ihn zur Tür, überhäufte danach Schleuderella mit Vorwürfen zu ihrer Unfähigkeit, hielt Mittagsschlaf bis 13 Uhr und stellte dann fest, dass Waschsalons zwar blöd sind, aber doch ganz ideal, um eine Ausrede fürs Nicht-Lernen-Können zu haben.
Ohh, ich kenn das mit diesen Uhrzeiten und Zeiträumen nur zu gut - doofe Sache! Aber alles halb so wild, irgendwann läuft das Teil wieder und alles ist vergessen ;)
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