Die letzten Tage war ich mehr oder weniger schwer beschäftigt. Meine Design-Auftragswebseite sollte den letzten Schliff bekommen und außerdem warten noch einige Auftritte und ein unfertiger Text auf mich. Und nebenbei ist da ja noch die Uni, die eigentlich an erster Stelle stehen soll.
Lange Rede, kurzer Sinn: Heute möchte ich euch wieder einen Romanauszug präsentieren. Ich würde mich über eure Meinung freuen!
| Silvester 13/14. Wunderkerzenspaß mit Claire. |
(Was bisher geschah: Margarete. Nachmittags, am Fenster sitzend und lesend. Sich schlafen stellend. Kenan, den Nachbarsjungen und Hermann der Spitz. Abends, sie trinkt Wein, hört emotional geladen Edith Piaf und ruft dann Hermann, den Spitz zu sich.)
Kaptiel 2. (Teil 3) & 4
-„Was versteckst du dich denn
unter der Bank und bist so schweigsam, hm?“
Treudoofe Augen schielten zu ihr
auf.
-„Na komm, hier. Ausnahmsweise
darfst du heute hier neben mir sitzen.“
Sie klopfte mit der Hand auf den
freien Platz neben sich und als der Spitz ihrer Bitte mit einem vorsichtigen
Sprung auf die Chaiselongue folgte, lehnte sie sich zurück und streichelte sein
Fell.
-„Weißt du, ich verstehe bis
heute nicht, wie Piaf so begabt und zugleich so anfällig für Skandale und Leid
gewesen sein kann.“
Als der Hund sie weiterhin
anschwieg, versank sie wieder in der Musik und schloss die Augen, bis Hermann
geräuschvoll gähnte.
-„Du hast aber auch gar keinen Respekt.
Wie kann man nur so kunstverdrossen, so unmusikalisch sein! Pfui! Hau ab! So Einen
will ich nicht in meiner Nähe haben!“
, ging sie scharf den Spitz an
und schubste ihn wieder von der Chaiselongue hinunter. Dieser kroch betroffen
wieder unter die Lesebank am Fenster und funkelte sie von da aus mit seinen
dunklen Augen an. Nachdem auch die zweite Hälfte der Platte zu Ende gespielt
hatte, verpackte sie diese wieder in ihrer abgegriffenen und zerfledderten
Papphülle. Das dritte Mal füllte der Wein das Gläschen, das wieder auf seinem
Ausgangspunkt, dem Klavier, stand. Dann begann sie zu spielen und tauchte in
ihrer selbstgeschaffenen Welt aus Klaviermusik ab. Hier und da sang sie einige
Sätze mit, während ihre Hände ununterbrochen über die vergilbten Tasten flogen.
Ein Hauch von Opernbesuchen, großen Bällen, Chansons, langen, aufwendigen
Kleidern und wunderschönen Damen durchflutete den Raum. Als dann die Hände
begannen, gemächlicher zu spielen und ihre leiser werdende Stimme gegen
Hermanns Schnarchen anzukämpfen hatte, war draußen bereits finstere Nacht.
-„Blödes Tier!“
, murmelte sie mehr zu sich
selbst als zu dem schlafenden, schwarzen Ungetüm. Dann trank sie die letzte
Pfütze auf dem Glasboden aus und klappte übertrieben laut den Klavierdeckel zu.
Der Hund, vom lauten Geräusch aufgeschreckt, begann sich gemächlich zu strecken
und schlurfte anschließend in Richtung Wohnzimmertür, als wäre dieses Geräusch
die Ankündigung der Schlafenszeit gewesen. Als Margarete das dunkle Wohnzimmer
verließ, lag Hermann schon in seinem rot karierten Hundekorb und grunzte leise
vor sich hin. Margarete ging ins Badezimmer, machte sich für das Bett fertig.
Die Prozedur schloss immer mit einem reichhaltigen Eincremen des Gesichts und
Margaretes mantra-ähnlichem Satz: „Man
wird ja eben nicht jünger.“, ab. Bis zum nächsten Tag blieb danach die
Wohnung still.
Der Tag begann für Margarete wie
jeder Andere. Zuerst einen Blick auf den Wecker, weil die schmalen
Lichtstrahlen, die durch die kleinen Ritzen der Jalousie hereinlugten, schwer
die Tageszeit schätzen ließen. Sie stellte sich schon lange nicht mehr die
Weckfunktion an, denn es war prinzipiell unwichtig geworden, wann sie den Tag
begann. Schlief sie länger, waren die Tage wenigstens schneller vorbei. Kurz
vor 10 Uhr vormittags.
Sie blieb noch einige Momente im
Bett liegen und versuchte, ein paar Geräusche von der Außenwelt aufzuschnappen.
Im Halbdunkel sah sie den kleinen Schatten am Fußende ihres Bettes nervös
herumtänzeln.
-„Ja, ja, ja. Ich weiß. Du musst
mal. Ich stehe ja schon auf. Ich muss mich nur mal schnell frisch machen, dann
gehen wir in den Hof, okay?“
Auf dem Weg hin zum Bad bemerkte
sie, dass der Geschmack in ihrem Mund vermutlich dem eines hundertjährigen
Mammuts glich.
„Es wäre mal wieder an der Zeit
das Bad zu putzen“
, murmelte sie vor sich hin, als
sie auf dem Badspiegel die von der Sonne hervorgehobenen Fettflecke und
Zahnpastaspritzer sah. Die Zahnpasta
schmeckte wie alter Käse und ließ den Mammutgeschmack noch schlimmer werden. Da
Hermann ungeduldig an der Wohnungstür kratzte, kämmte Margarete hastig ihren weißen
Lockenkopf und cremte sich ihr Gesicht auf dem Weg zu Hermanns Leine ein. Ihre
gepolsterten Holzpantoffeln klapperten laut, als sie die Treppe zum Hof hinab
nahm. Trotz ihres hastigen Abstiegs, wartete Hermann bereits unten auf sie. Sie
schnallte ihm die Leine um und öffnete die Hoftür. Früher hatte sie ihm die
Leine gleich in der Wohnung angelegt, aber weil er immer so stürmisch die
Treppen hinab hastete, hatte er sie einmal umgerissen und ihr zahlreiche blaue
Flecken beschert. Seit dem durfte er sich im Wohnhaus frei bewegen, die Türen
zur Außenwelt waren eh immer geschlossen, sodass er ihr nicht ausbüchsen
konnte.
Der Himmel war aschgrau und
leichter Nieselregen kam aus den dicken Wolken. Die kleine Grasfläche in der
Mitte des Hofes war voller Feuchtigkeit. Jemand hatte seine Wäsche auf der
Leine vergessen, sodass sie jetzt, vermutlich nasser, als aus der
Waschmaschine, schwer hinab hing. Margaretes Gesicht verfinsterte sich. Das
Wetter hatte, ohne es zu wissen, ihre morgendliche Laune nachgeahmt und sie
dadurch jetzt noch frustrierter gemacht. Grimmig beobachtete sie, wie Hermann
sich im Gras pitschnasse Pfoten holte, als er sein Geschäft verrichtete. Einen
Augenblick später lockerte sich ihre Mimik ruckartig wieder und sie befühlte
hastig ihre Wangen, als hätte jemand zu ihr gesagt, dass sie, wenn sie grimmig
schaut, viel mehr Falten hat und älter aussieht. Ihre Augen blieben noch kurz
vor Angst geweitet, dann wendete sich Margarete vom Hof ab, ging zur Tür und
rief Hermann hinein. Oben trocknete sie seine Pfoten mit einem alten Handtuch
ab und wischte danach die Fußtapsen im Flur weg. Der Kühlschrank brummte laut,
als sie in ihn hineinspähte. Der Tee auf dem Küchentisch dampfte exzentrisch,
als wollte er sie daran erinnern, dass sie sich mit der Essensauswahl beeilen
solle, damit er nicht kalt werden würde.
Aus dem Wasserhahn in der Spüle kamen erbarmungslos Tropfen heraus und
platschten geräuschvoll in das metallene Becken. Fahrig griff Margarete nach
dem Stück Butter und warf die Kühlschranktür wieder zu. Bevor sie die
Knäckebrottüte vom Hängeschränkchen fingerte, stupste sie leicht den Wasserhahn
an, damit er mit dem Tropfen aufhörte.
Ich würde gerne mehr Kritik geben, aber ohne die Geschichte ganz zu kennen, fällt mir das einfach sehr schwer. Ich finde (wie schon bei den letzten Teilen), dass du sehr schön und detailreich schreibst und das gefällt mir sehr gut. Und immer noch bin ich gespannt, was noch so passieren wird :)
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