In den letzten Tagen ging es bei mir drunter und drüber. Erst musste ich von Montag bis Freitag arbeiten, dass heißt jeden Tag um 7 Uhr aufstehen und tot um 22 Uhr ins Bett zu fallen. Gestern saß ich allerdings noch bis 23 Uhr im Zug, um später in einer Weinbar mit meiner Mutter den Klatsch und Tratsch der letzten Wochen und Monate auszutauschen.
Cabernet Sauvignong hat noch nie so gut geschmeckt wie um 1 Uhr nachts in Lübeck.
Gerade fertig mit dem Frühstücken habe ich ein kleines Stückchen Zeit für den Blog gefunden, doch gleich geht es zu einem Date. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen und in den letzten Wochen habe ich auf den heutigen Tag schon hingefiebert. Endlich wieder die rauen Furchen sehen, das stürmische Gemüt erleben- endlich wieder am Meer stehen. Noch bis Montag werde ich die nordische Luft hier inhalieren und ausspannen, um dann in die kommende Woche wieder mit Power zu starten: Schließlich steht ein Workshop in Dessau, ein Brunch und zwei Poetry Slams (in Dessau und Halle) an.
Aber jetzt genug gejammert, der eigentliche Grund meines heutigen Posts ist ein Romanauszug. Vor längerer Zeit habe ich ja mal erzählt, dass ich angefangen habe, einen Roman zu schreiben (ich glaube gegen Mai). Mittlerweile existieren 71 Buchseiten, sodass es mal an der Zeit ist, euch einen Auszug zum lesen zu geben. Es handelt sich zwar nicht um die erste Seite des Romans, aber gerade beginnt eine neue Szene...
Kapitel 2. (Teil 1)
Wie jeden Tag um diese Zeit
setzte sie sich auf diese kleine Bank, ganz nah am Fenster. Das Buch auf ihrem
Schoß wechselte ständig, so viel, wie sie las, aber die Umstände blieben
gleich. Es war immer so kurz nach der Mittagszeit, wenn sie sich das Kissen zu
Recht rückte und mit einer dampfenden Kanne „Earl Grey“ zu ihrer Linken weiter
las. Die Bank war auf Fensterbretthöhe, sodass sie meist mehr auf dem marmorierten
Fensterbrett saß, als auf den Polstern. Sie kuschelte sich dann in das Kissen
im Fensterrahmen und tauchte in die fantastische Welt des Buches ab. Zuweilen
löste sich der Bann und ihre Augen blickten aus dem Fenster, wenn sie jemanden
auf der Straße vorbeikommen sah, um dann für wenige Momente genau den Gang und
die Haltung desjenigen zu begutachten, bis dieser aus ihrer Sichtweite verschwand
und sie sich wieder dem Buch widmen konnte. So verharrte sie einige Stunden,
bis von der zweiten Kanne Tee nur noch eine kleine Pfütze in der Tasse übrig
blieb. Meist klingelte just in diesem Moment Kenan an ihrer Tür. Kenan war der
Nachbarsjunge. Eigentlich war er mit Ende zwanzig kein Junge mehr, aber da er
noch immer bei seinen Eltern wohnte und sich mit kleinen Jobs etwas dazu
verdiente, wollte Margarete ihn nicht als Mann anerkennen. An diesem Tag hatte
Margarete die Teekanne schon abgespült, als er klingelte. „Du bist spät.
Hermann ist nicht mehr der Jüngste, du solltest ihm nicht zumuten, so lange die
Blase anhalten zu müssen.“ „Entschuldigen Sie, Frau Wolter. Wissen Sie, mein
Cousin von Zuhause ist grad zu Besuch.“ Mit seinen großen braunen Augen schaute
er reumütig zu ihr auf. Es heißt zwar immer, dass ältere Menschen wieder kleiner
werden, aber Margarete war mit ihren 84 Jahren noch immer größer als dieser
schmächtige Winzling. Statt ihm zu antworten oder auf seine entschuldigende
Geste einzugehen, drehte sie sich um, ging zu dem kleinen Flurschränkchen und
griff nach der handgeschriebenen Liste. „Hier, wenn du Hermann ausführst kannst
du mir heute wieder ein paar Sachen vom Konsum mitbringen!“ Kenan nickte stumm
und betrachtete dabei seine Schuhe. „Das restliche Geld kannst du dann
behalten, aber nur, wenn du morgen wieder pünktlich kommst!“ Kenan nahm
Hermanns Leine in die Eine, die Einkaufsliste in die andere Hand und wandte
sich zum Gehen. „Ach und- hier- nimm den Schlüssel mit, ich möchte mich
hinlegen. Stelle einfach alles nachher in den Korridor.“ Wieder nickte er nur und
ging ohne ein weiteres Wort.
Zügig lief Margarete wieder zu ihrem Leseplatz und beobachtete Kenan
beim Fortgehen. Hermann war ganz aufgeregt und sprang um ihn herum und
Margarete konnte Kenan bis zu sich hinauf mit ihm in einem albernen Tonfall
sprechen hören. Hermanns schwarzes Fell glänzte in der Sonne und wehte in dem
leichten Wind. Wenn er so stürmisch war, erinnerte er sie mehr an einen Wolf
als an einen Spitz. Als die beiden außer Sichtweite waren, legte sie für einen
Moment ihre schmerzenden Beine auf der Chaiselongue hoch.
Ich würde mich über ein Feedback freuen ;)
Hier gelangt ihr zur Fortsetzung.
Hier gelangt ihr zur Fortsetzung.
Wer heute Abend zufällig in Lübeck ist (und mich oder meine Mum kennen lernen will): Kommt doch zum Filmhaus, da ist ein Poetry Slam und ich mache mit ;)

Da bin ich aber mal gespannt wies weiter geht :) Freu mich schon auf mehr! :)
AntwortenLöschenIch finde den Stil sehr schön! Sowohl als vom Blog, als auch von den ersten Zeilen deines Auszuges. Ich auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht, ob Margarete die Hauptrolle spielt, oder nur einen kleinen Teil der Geschichte einnimmt. Sehr hübsch geschrieben, definitiv :)
AntwortenLöschenOh man, ich bin krank :(
AntwortenLöschenSonst wäre ich vorbeigekommen!
Noch hat man ja eher gar keine Ahnung um was es bei der Geschichte geht, das macht es dann umso spannender. Ich mag deinen Schreibstil, der ist sehr bildlich! :)
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