13 Oktober 2013

Sonntagskolumne No. 60: Kann man nicht einfach mal...

...die Krankheit machen lassen?
Die letzten Tage war es ganz schön ruhig auf Blueten Staub. Der Grund dafür war eine fette Herbstgrippe, die mich notgedrungen ans Bett gefesselt hat- gemischt mit Dauerstress wegen einer noch nicht fertigen Hausarbeit (die seit 2 Stunden freudestrahlend und fix und fertig auf meinem Desktop chillt). Die Grippe kam im Laufe des Mittwochs. Donnerstagabend ging ich zu "Kunst gegen Bares"- die erste Veranstaltung, die ich moderieren durfte. 
Überfülltes Charles Bronson beim KGB
...
Insgesamt läuft der Abend gut, ich lese als Publikumseinstimmung ein paar Seiten aus meinem  alten Kindheitstagebuch vor. 
Ich weiß nicht, ob mich beim Lesen der Krakelschrift auf den fliederfarbenen Seiten die lebendig gewordene Erinnerung bespringt, mir die Aufregung des Abends zu Kopfe steigt oder einfach der, durch den nächtlichen Heimspaziergang im Regen verursachte, Fieberwahn Schuld ist: 
Am nächsten Tag bin ich psychisch und körperlich platt. Mein Fieber steigt und steigt und ich liege im Bett und kann nichts tun. 
"Du machst ja auch immer viel zu viel auf einmal"
, höre ich in einem Wachtraum meine Mama im blauen Hasenkostüm neben mir sagen. 
"Ja, aber ich muss noch bloggen, meine Hausarbeit höre ich auch schon den ganzen Tag plärren und nachher geht es nach Köthen zum Slam..."
, antwortete ich, als mein Liebster das Zimmer mit einer dampfenden Tasse Tee betritt. 
"Mit wem redest du?"
, mischt er sich ein. Auf einmal ist die als blauer Hase verkleidete Mama wieder weg. Ich seufze. Wenn man sich zu selten eine Auszeit gönnt, wird man irgendwann dazu gezwungen, sich eine Auszeit zu nehmen. Wenigstens einen einzigen Tag. 
Das hat mich die Hasen-Erscheinung gelehrt. Und so verwerfe ich den Gedanken, vor Sonntag noch einen Post zu schreiben und sage schweren Herzens den Slam ab. Der Tag schleicht zähflüssig vorüber und am Samstagvormittag, nach 15 Stunden Schlaf, entsteige ich hellwach und fieberfrei dem nach Menthol und Krankheit riechendem Bett.
Aus dem Küchenfenster beobachte ich die Sonne, wie sie von den Regenwolken verdrängt wird und beginne, statt der üblichen Kanne Kaffee, mit einer heißen Tasse Tee den Tag. Obwohl ich noch schwach und verschnupft bin und handflächengroße Schleimbatzen aushuste, fühle ich mich innerlich total erholt. Ganz nebenbei öffne ich die Hausarbeit und beginne zu tippen. Ganz nebenbei schreibe ich 4 Seiten auf einmal und kann konzentriert arbeiten. 
Sonst stehe ich permanent unter Strom, will am Liebsten 3000 Dinge gleichzeitig tun, muss 10000 Nachrichten gleichzeitig beantworten und kann meist nicht eine Sache richtig beenden. 

Und jetzt... nach 24-stündiger Zwangspause... ist wenigstens für einen Moment mal wieder alles geordnet und klar vor mir. 
Normalerweise mag ich es, viel um die Ohren zu haben. Aber wenn es irgendwann so viel wird, dass man vor lauter Arbeit nicht mehr die Kleinigkeiten des Alltags genießen kann, läuft etwas verkehrt. 

Das Leben ist ein Drahtseilakt und man sollte immer versuchen, die Balance zwischen Nehmen und Geben zu halten. 

Das Foto hier unten entstand übrigens auf einem Aussichtsturm in Cottbus. Am Tag der deutschen Einheit, noch k.o. vom Slam vom Vorabend, war ich für einen Moment lang total gepackt von diesem Vogelschwarm, der Bilder am Himmel formte. 

2 Kommentare:

  1. Schöner Blog!
    Mache auf meinem Blog gerade eine Blogvorstellung. Villeicht hast du ja Lust mit zu machen? Schau einfach mal vorbei :)

    http://marakssn.blogspot.de/2013/10/blogvorstellung.html

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  2. Ach man, krank sein ist doof, aber jetzt scheints ja wieder besser zu sein? :)

    Liebe Grüße,
    Laura von wwdancer.de

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