18 August 2013

Sonntagskolumne No. 53: Kann man nicht einfach mal...

...die Mitmenschen akzeptieren?
Gestern bin ich in der Süddeutschen auf einen Artikel gestoßen, der über eine Protestaktion der Leichtathleten in der WM berichtete. Um es kurz zusammenzufassen:
In Russland ist dank eines neuen Gesetzes die "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" vor Kindern verboten. Russland hat also mächtig was gegen Homosexuelle. Einige Athleten reagierten darauf, indem sie beispielsweise ihre Fingernägel in den Farben des Regenbogens (seit den 70ern ein Symbol für die Schwulen- /Lesbenbewegung)  lackierten.
via 

Ich finde diese Aktion großartig, es zeigt, dass so ein unpolitischer Bereich, wie der Sport, eben nicht von der Umwelt isoliert ist und auch von der Politik berührt wird. 
Lackierte Fingernägel als politisches Statement- im ersten Moment nur eine kleine Sache, aber dennoch entbrannte dank dieser subtilen Aktion wieder eine Diskussion. 
Über Religion lässt sich streiten, Toleranz gegenüber religiösen Einstellungen ist ein mehrfach durchgekautes Thema. Homosexualität in meinen Augen eigentlich auch. Aber interessant ist diese Kombination der beiden Themen. Warum gibt es Religionen, die die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen als schlecht ansehen, oder gar verbieten? Das entwertet eine Menge Menschen, die doch in Gottes Augen alle gleich wertvoll sein sollten. Dass Hass und Ablehnung dieser "Andersartigen" in Religionen verbreitet wird- hat das Überhaupt noch was mit Religion zu tun? Wie ich es auch drehe und wende, irgendwie verstehe ich einfach nicht, warum es Menschen gibt, die so ein großes Problem mit Homosexuellen haben. 

Vor allem: Was ist das für ein dämliches Gesetz? Wenn ich das Gesetz durchdenke, komme ich auf den Schluss, dass damit behauptet wird, ein homosexuelles Paar hat Einfluss auf die Sexualität eines Kindes. Andersrum hieße das doch: ein heterosexuelles Paar hat auch Einfluss auf die Sexualität eines Kindes. Klar. Sexualität ist ja sowas von vererbbar und Homosexuelle haben natürlich auch keine heterosexuellen Eltern. Ist das euer Ernst?

Apropos Homosexuell: In der Öffentlichkeit wird immer von Homosexualität geredet. Mein ehemaliger Ethiklehrer meinte einmal, dass dieses Wort eigentlich auch abwertend ist- da es sich nur auf das Sexuelle bezieht und indirekt behauptet, dass Liebe zwischen zwei Gleichgeschlechtlichen nicht möglich ist. Homophilie (Gleichliebe) sei ein passenderes Wort.
Dass das Wort "schwul" eine abwertende Konnotation hat, ist ja mehr oder weniger bekannt. Leider benutzen viele dieses Wort in einem ganz anderen Zusammenhang und ohne sich bewusst zu sein, was sie da eigentlich von sich geben. Neulich ging ich an 2 Kindern im Grundschulalter vorbei und das eine sagte: "Man ey, Hausaufgaben sind sowas von schwul!" 
Fängt da die Diskriminierung an? Ich weiß es nicht. Aber ich denke, dass wir uns selbst für dieses Thema mehr sensibilisieren sollten, so, wie wir es auch größtenteils geschafft haben, die Hautfarbendiskriminierung abzuschaffen- zumindest laufen mir keine Menschen über den Weg, die "Nigger/Mohr/Zigeuner etc." sagen. 



1 Kommentar:

  1. Hatte im März mit einem ehemaligen Freund eine etwas aus dem Rahmen geratene Diskussion gehabt. Am Anfang ging es ziemlich sachlich zu und Punkt war wieso Homosexuelle Kinder haben können oder nicht. Irgendwann artet es sich aus und um die Frage ob Homosexuelle normal wären. Eigentlich war alles sachlich, bis die Fassade fiel und ein religiöser Grund dahinter steckt. Ich war sehr entäuscht über den wahren Grund ... ich habe nichts gegen Religion, aber dieses Absolute und die Rechtfetigung dessen Sicht wäre die einzig Richtige und das Fehlen von Selbstkritik ließ mich richtig wütend. es war mein erstes und vielleicht letztes Mal dass ich mit jmd religiösen über so ein thema diskutiere. Und mir tun alle leid, die nur auf Ihre Sexualität reduziert werden obwohl sie mehr sind als das.

    Es sind 6 Monate her, aber ich bin sichtlich immer noch sehr über die Aussagen geschockt x) ...

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