Heute mal ein fiktives Szenario, um die 1 Monatige Alkohol-Abstinenz (siehe To-Do Liste) einzuleiten:
Es ist Freitagabend kurz vor 22 Uhr und die Bar ist bis auf den letzen Platz voll. Menschen jeder Altersklasse sitzen in kleinen Gruppen an den klebrigen runden Tischen und reden gegen die gedämpfte Musik an. Mir gegenüber sitzen 3 Freunde, alle in gelöster Stimmung- schließlich beginnt jetzt das Wochenende und uns steht noch ein erlebnisreicher Abend bevor. Die Kellerin kommt, um die Bestellungen aufzunehmen.
M: "Ich nehme einen Sex on the beach!"
S: "Für mich ein Glas Cabernet Sauvignon"
D: "Ein großes Bier"
Ich bin an der Reihe. "Für mich eine Cola."
Alle drei Augenpaare werden augenblicklich auf mich gerichtet. "Musst du heute noch Auto fahren?", fragt M. "Du weißt doch, dass ich weder einen Führerschein, noch ein Auto besitze!", antworte ich. Selbst die Kellnerin bleibt erwartungsvoll am Tisch stehen, um meine Entschuldigung zu hören. "OH MEIN GOTT! Bist du etwa...schwanger?", schaltet sich hysterisch S. ein. Ich verdrehe die Augen und verneine. "Nein, aber ich hab heute mal keine Lust auf Alkohol." Damit hatte keiner gerechnet. Alle starren mich ungläublich an und aus dem Augenwinkeln bemerke ich, dass sogar die Kellnerin, bevor sie sich wieder an die Arbeit macht, die Augenbrauen hochgezogen hatte. "Aber es ist Freitag! Was ist los mit dir?", fragt D.
"Genau. Was ist mit euch los", frage ich mich. "Seit wann gibt es eigentlich diesen Alkohol-Gruppenzwang?
Ich habe einen guten Freund, der Alkohol nur ca. 1-2 Mal im Jahr konsumiert und mir hängen die seltsamen und verwunderten Fragen über sein Konsumverhalten schon zum Halse raus. Seit wann muss man eine Erklärung fürs Nicht-Trinken haben? Alkohol ist mittlerweile wirklich schon ein Indikator für Coolness und Spaß geworden- ich habe noch nie eine Party erlebt, auf der kein Alkohol ausgeschenkt wurde. (Selbst bei Kindergeburstagen standen zumindest die begleitenden Eltern mit einem Glas Sekt in der Hand herum).
Andererseits ist es genau so verpöhnt und merkwürdig, wenn man alleine trinkt. Daraus interpretieren viele gleich wieder eine Alkoholabhängigkeit. Was ist denn wiederum verwerflich daran, mal alleine ein Glas Wein zu trinken?"
"Wer alleine trinkt hat große Probleme ist einsam und versucht den Alltag zu verdrängen!" , unterbricht mich S. in meinem Redeschwall. Da hatte ich wohl wieder, ohne es zu wollen, laut gedacht.
Ich erinnere mich an die vielen Partys, bei denen gemeinsam konsumiert wurde. Am Ende lagen meist 1-2 Menschen in einer Ecke und weinten und kotzen sich über ihr so unglückliches Leben aus. Dass ich eher denke, dass gerade durch den Alkohol die Menschen sich voneinander entfernen, spreche ich jetzt mal nicht an. Irgendwie ist die feucht-fröhliche-Freitagabendstimmung im Keller, ich fühle mich wie eine Verräterin und Spaßbremse. Um den anderen den Abend nicht noch mehr zu verderben sage ich:
"Nein. Scherz. Ich bin WIRKLICH schwanger!"
Und plötzlich spüre ich die Erleichterung der Anderen, D. atmet sogar demonstrativ aus.
"WOW, wie geil! Das müssen wir feiern! Eine Runde Tequila für alle, das geht auf mich!", ruf M. euphorisch.
Ich finde es super, dass du das Thema ansprichst. Ich hoffe das Szenario bleibt für dich fiktiv, denn für Alkoholverzicht sollte sich niemand rechtfertigen müssen!
AntwortenLöschenIch trinke zwar so ziemlich alles, von Bier über Wein und Schnaps, aber es gibt immer wieder Wochen und Monate in denen ich nichts trinke und glücklicherweise habe ich ein sehr tolerantes Umfeld, sodass ich solche Szenen nicht kenne.
Lieben Gruß
Melly
Interessantes Thema. Ich trinke gar keinen Alkohol und finde es auch immer wieder seltsam, wenn für´s Nicht-Trinken nach Gründen gesucht oder sogar eine Rechtfertigung erwartet wird. Verkehrte Welt...
AntwortenLöschenLG
Diesen Gruppenzwang finde ich wahnsinn - beobachtet man ja nicht nur beim Alkohol, sondern auch bei anderen Themen, wie z.B. Ernährung, Lebenseinstellung etc. Wahrscheinlich oft auch weil sich die Menschen plötzlich an die eigene Nase fassen müssen und die meisten dazu (vor allem am Freitagabend ;) so gar keine Lust drauf haben, wenn jemand plötzlich einen Schritt zurück macht und einfach klar formuliert "Ich mach da nicht mit." ... auf jeden Fall (wieder mal) sehr treffend geschrieben!
AntwortenLöschenDie Erfahrungen, die du in deiner fiktiven Geschichte erzählst, kenne ich nur zu gut. Kaum bestellt man etwas Nicht-alkoholisches, kommen gleich dumme Fragen. Eigentlich sollten die anderen doch auch mal Anerkennung oder wenigstens Verständnis dafür zeigen, dass man mal nichts trinken möchte. Alkohol kann zudem so vieles kaputt machen, dass es eigentlich wünschenswerter wäre davon Abstand zu gewinnnen. Dann lieber mal ein Gläschen Sekt zu Hause, meinetwegen sogar allein in der Badewanne. Oder auch mal ein Glas Wein allein beim Fernsehschauen oder Lesen.
AntwortenLöschentolle Kolumne :)
AntwortenLöschender Gruppenzwang dominiert heute die Menschheit, wenn man aus der Reihe fällt, muss man sich direkt rechtfertigen.
Ich trinke nun schon seit gut einem 3/4 Jahr keinen Alkohol, nicht aus Gruppenzwang oder sonstigem sondern einfach weil ich es schrecklich finde, dass sich Jugendliche sinnlos betrinken. Was haben sie davon außer einem Filmriss, Kater, Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Ganz ehrlich? So stell ich mir mein Leben nicht vor. Ich hab nichts gegen 2-3 Gläser Sekt, Bier etc., doch warum muss man es immer bis zum Limit ausschöpfen?
Muss man nicht verstehen, oder ;)
Toller blog, Tolle Kolumne.
AntwortenLöschenDu sprichst mir wirklich aus der Seele. Ich habe diese Blicke und die Fragen auch so langsam mal satt. Schön dass du es ausgesprochen hast!
Oh, vielen Dank. Da freue ich mich sehr!
LöschenLiebe Grüße