26 Mai 2013

Sonntagskolumne No. 41: Kann man nicht einfach mal...

...männlich sein?
Es ist Samstagabend und nebenbei läuft das Finale der Champions League. Prinzipiell ist es mir egal, wer den Pokal nach Hause trägt- meinetwegen könnten sich beide auch den Sieg teilen. Aber weil das nicht geht, war ich für Dortmund, weil mir die Bayern zu arrogant und siegessicher waren. Gut, meine Rechnung ging nicht auf- Bayern gewann und als Lahm stolz den Pokal in die Höhe riss, schwenkte die Kamera nochmals zu den Dortmundern. Alle Spieler zu tiefst deprimiert, die Hände im Gesicht, Tränen in den Augen. Und plötzlich geht es nicht mehr um das Spiel. Die Männer tun mir Leid. In diesem Moment gibt es keinen schnippischen Kommentar oder ähnliches, weil sie weinen. Emotionen im Fußball sind scheinbar okay. Weil Fußball männlich ist. 

Oh nee, jetzt geht es wieder um DAS Thema. Ja genau. 

Wie hat ein Mann sich im Alltag zu verhalten? Obwohl es ständig um die Emanzipation der Frau geht, denke ich, dass es nun auch die Männer an der Reihe sein sollten. Dadurch, dass alle Welt aufschreit, wenn eine Frau "sexistisch" behandelt wird, fallen die Männer etwas hinten runter. Ich denke zwar nicht, dass Männer benachteiligt sind, aber ich glaube, dass sie es genau so schwer haben, in der Gesellschaft anzukommen.
Denn jedes Umfeld stellt an den Mann andere Ansprüche, während Frauen nun mal so sind und mehr oder weniger alles machen dürfen, immer irgendwie sein können.

Männer müssen männlich sein. Emotionen zeigen ist out, sie müssen abgebrüht sein, Weiber aufreißen und über den Dingen stehen. Sie müssen Muskeln haben und erfolgreich sein.
Männer müssen Emotionen zeigen, sie müssen gefühlvoll und romantisch sein, sie müssen kochen können und stundenlang reden können. Sie müssen gepflegt sein, aber irgendwie auch einen schmuddeligen Drei-Tage-Bart haben. Sie müssen laut sein und sich behaupten können. Sie müssen beschützen.

Natürlich sind das DIE zwei Klischee Ansichten, aber das bringt es eigentlich auf den Punkt. Wenn sie zB. in der Mode mitgehen und sich pflegen, sind sie entweder echt cool, oder "schwul". Es gibt irgendwie nur das Eine oder das Andere. Ich frage mich, wie ich als Mann klar kommen würde. Ich müsste mich ständig entscheiden und immer mit dem Druck leben, dass ich gerade nicht ankomme. Ich glaube da haben es Frauen deutlich einfacher- vielleicht gerade weil vieles in die Hand der Männer gelegt wird. Der Mann soll sich anpassen, sich verstellen, sich verbiegen und nebenbei auch noch er selbst sein. Und das Problem ist, dass er nie genau weiß, ob er gerade mit seiner Handlung richtig ankommt (z.B. beim Fußball weinen) oder eben nicht. Der neue Mann existiert noch nicht wirklich, glaube ich. Denn sonst würde das Thema nicht immer und immer wieder an der Tagesordnung sein. 
Wenn ein Mann dafür gelobt wird, dass er ja so offen und ehrlich ist und Emotionen zeigt, ist es dann nicht gerade auch eine Art Sexismus? Wenn es einfach als normal gelten würde, dass Männer irgendwie sind, wäre es nicht nötig, einen Mann darauf anzusprechen, dass er so und so ist. Ich habe noch nie beobachtet, dass ein Mann einer Frau das Kompliment gibt: "Hey, du bist ja gar nicht zickig!"




5 Kommentare:

  1. Da sprichst Du wirklich gekonnt ein Problem an- auch als Mann seine Rolle heutzutage zu finden, ist wirklich nicht leicht. Am besten ein gut-gebratenes-Medium-Steak; genau zwischen zart und hart will die Frau von heute. Nicht zuviel Gefühl, aber genau soviel- dass sie das Gefühl hat, geliebt zu werden! Du lieferst mit Deinem Artikel hier echt gute Denkanstösse! Weiter so! Liebe Grüße, der Chris aus Bochum vom Freizeitcafe

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    1. Vielen Dank für den netten Kommentar, ich freue mich sehr über das positive Feedback!
      Obwohl ich natürlich sagen muss, dass das alles meine kleine subjektive Sicht auf die Welt ist und so wie ich es erlebe- vielleicht gibt es auch einige Gegenbeispiele =)
      Liebe Grüße

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  2. Grundsätzlich darf man Diskriminierung gegen Männer und gegen Frauen nicht miteinander vergleichen, weil Männer eben immer noch das priviligiertere Geschlecht sind. Deswegen darf man laut Definition auch nicht von Sexismus gegen Männer sprechen - genau so wie es keinen Rassismus gegen Weiße gibt.

    Aber natürlich darf man nicht vernachlässigen, dass auch Männer manchmal aufgrund ihres Geschlechts Einschränkungen erfahren oder irgendwie blöd angeschaut/angeredet werden. Man stelle sich mal einen männlichen Krankenpfleger oder einen männlichen, nicht schwulen Frisör vor - die haben es bestimmt nicht leicht im Leben. Oder auch auf kleinerer Ebene. Ein Freund von mir hat mir letztens erzählt, dass er einen Pilates-Kurs macht und dort auch zusammen mit einem Freund von ihm der einzige Mann im Kurs ist. Und er war ziemlich genervt über die Kommentare der Leute, denen er das erzählt hat. Die reichten nämlich von "Ist das nicht son Frauensport?" bis "Ah, du gehst da nur hin, um dir eine aufzureißen, oder?"

    Auf jeden Fall ein sehr gut geschriebener und wichtiger Artikel!

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    1. Ja vielen Dank! Ja, das stimmt schon, ich habe jetzt auch keine Definition nachgeschlagen oder mich fachlich informiert, sondern nur meinen Gedanken freien Lauf gelassen- aber dein Beispiel bringt es genau auf den Punkt! Das ist doch auch den Männern gegenüber unfair. Und selbst, wenn jemand sich nicht traut, einen solchen Spruch zu bringen, grinst er in sich hinein und nimmt denjenigen, der einen "Frauen"-Sportkurs besucht, nicht mehr als "Mann" ernst...
      Liebe Grüße

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  3. total toller artikel den du da geschrieben hast!
    Männer die keine kompletten Arschlöcher sind haben es echt nicht mehr so leicht in unserer heutigen Gesellschaft.
    Ich muss zugeben, dass die angst die Männlichkeit in den augen anderer zu verlieren real ist, genauso muss ich aber auch zugeben, dass ich andere Männer ebenso nach diesen Kriterien beurteile und auch herabstufe.
    Irgendiwe sind wir Männer zu emotionalen Krüppeln degradiert, es sei denn man traut sich man selbst zu sein, dafür darf man sich aber nicht zu ernst nehmen weil man(n) wahrscheinlich von den anderen Männern dann nicht mehr ernst genommen wird (und gefahr läuft von frauen als frau gesehen zu werden).
    Es gibt Unterschiede zwischen Mann und Frau, dies darf man meines Erachtens nicht verleugnen, denn auch Gleichmacherei kann Gewalt sein.
    Jungs wachsen in einer von überwiegend Frauen bevölkerten umgebung auf, vor allem im Kindergarten aber auch in der Grundschule sind es die Frauen die die Kinder mit ihrer gegebenen Autorität beeinflussen.
    Und wenn man einen Jungen nicht Junge sein lässt, ihn herumtollen, herumschreien (ok kinder generell sind manchmal nervig) und eben auch manchmal mit anderen Jungs raufen lässt, dann ist das eine Unterdrückung die sich negativ auf seine Entwicklung ausüben kann.
    ich rede jetzt bewusst nur von Jungs weil ich weiss dass spätestens bei dem Raufen (Gewalt) bei den meisten Frauen die Alarmglocken angegangen sind und sie dies weder gutheissen können noch verstehen (zumindest die meisten).
    Mädchen haben auch mit Hürden zu kämpfen von Kindesalter an, aber hier geht es ja gerade um die Männer.
    So bevor sich meine Gedankengänge in unstrukturiertem Schreiben zerfasern, danke ich dir für den Denkanstoss durch deinen Artikel und vielleicht kannst du ja auch mal über die Probleme der Frauen berichten ;) (männer fühlen sich immer schuldig wenn sie ihre probleme sprechen, weil sie gelernt haben dass frauen es immer schwerer haben als sie)

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