21 Oktober 2012

Sonntagskolumne No. 13: Ist es wirklich...

...unterschätzte Einsamkeit?
Wer es in meinen Kommentaren mitbekommen hat, hatte ich diese Woche sturmfrei. Johnny war von Dienstag früh bis heute abend in einer anderen Stadt, um Fsj'ler in ihrer Seminarwoche zu betreuen. Seit einem Jahr war ich nicht mehr länger als ein, zwei Tage allein in der Wohnung und... ich muss zugeben, ein bisschen gefreut habe ich mich schon. Niemand, der mich morgens weckt, keiner da, der Unordnung macht, keine Musik läuft, wenn ich keine Lust habe, niemand, der mich ablenkt, wenn ich mich für die Uni oder fürs Bloggen konzentrieren muss. Klingt ja erstmal vielversprechend. Dienstag war ich voll für die Uni eingeplant, sodass ich erst spätabends zurückkam. Doch diese Stille in der Wohnung war mir irgendwie unsypmathisch. Musik soll die Stille brechen. Schon da ging es los, da sonst Johnny immer Musik anhat, hatte ich nun die Qual der Wahl, was nebenbei dudeln sollte. Dann das Bett. So riesengroß und leer. Und kalt. Mit zwei Decken und einer Wärmflasche an den Füßen habe ich jetzt die Nächte (halbschlaflos) verbracht. Die ganzen Tage war ich froh, wenn Uni ist oder jemand Zeit für mich hatte, denn irgendwie war ich von chronischer, ganz unterschwelliger Langeweile geplant. Lange Telefonate mit der Mutti, Kuchen backen, aufräumen, Klavier spielen, mit den Vögeln spielen, ein verheulter Greys-Anatomie-Abend mit Popcorn, lange Herbstspaziergänge- all die Sachen haben mir geholfen- und doch fehlt etwas. 
Mein Hund, der sich freut, wenn ich nach Hause komme und mich in den Arm nimmt. Mich manchmal mit irgendwelchen Sachen zutextet, von denen ich doch sowieso keine Ahnung habe. Der mir abends wärmt und mit mir zusammen einen Film anschaut. Der mich gerne ärgert und es liebt, Unordnung zu machen. Der mich liebt. 

Ich ertappe mich dabei, die ganze Zeit an ihn zu denken, wie eine frisch verliebte. Frage mich, was er wohl gerade tut, wie es ihm geht, ob er auch an mich denkt. Ich zähle die Stunden, bis er wiederkommt und verrichte alles irgendwie nur halbherzig und abwesend. So hoffnungslos romantisch oder melancholisch das auch klingen mag, ist es für mich trotz allem etwas gutes. Mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass nicht alles selbstverständlich ist und ich immer noch so fühle wie vor 4 1/2 Jahren. Tröstlich, zu wissen, dass meine Einsamkeit bald ein Ende hat und (hoffentlich) kein Dauerzustand wird. 

Ich freue mich darauf, dass Johnny wieder in meinen Nicht-Alltag tritt und wir gemeinsam unseren Nicht-Alltag leben. Wieso Nicht-Alltag? Weil irgendwie kein Tag dem anderen gleicht. Es fängt bei der Uhrzeit des Duschens an, hört bei der Uhrzeit des Schlafengehens auf und zwischendrin wird alles spontan entschieden. Sogar die Mahlzeiten. Alleine all das zu entscheiden ist gar nicht so leicht. 

Und jetzt genug Jammern, worauf ich eigentlich hinauswollte, ist, dass wir viele Dinge zwar schätzen, aber auf Dauer unbewusst realisieren. (Ich freue mich wirklich jeden Tag neben Johnny aufzuwachen etc.. aber so wirklich realisieren konnte ich es irgenwie nicht) Es ist wichtig, sich mal vorzustellen, was wäre wenn... bestimmte Dinge fehlen würden. 
Ob jetzt der Freund, die Familie oder unser Luxus. 
Man schätzt viele Dinge erst, wenn man sie nicht (mehr) hat. 
...und jetzt esse ich erstmal meinen selbstgebackenen Apfelkuchen um die Zeit des Wartens zu überbrücken...

Herbstspaziergang- weitere Bilder folgen.

4 Kommentare:

  1. Mir wirds 100pro genauso gehen wenn mein Freund sein Praxissemester in Irland macht... :(
    Ich weiß jetzt schon, dass ich vermutlich für ein halbes Jahr dauer-schlecht-drauf sein werde, weil der Alltag mit ihm so viel schöner ist...

    ♥

    AntwortenLöschen
  2. ohje ohje, ich glaube diese idee wirds erst geben wenn die ersten unter uns zu halbrobotern werden x) !! danke fürs liebe kommentar ;)
    LG !

    AntwortenLöschen
  3. Mmmh, der Apfelkuchen sieht lecker aus *-*
    Hättest du vielleicht Lust, das Rezept auf deinen Blog zu stellen oder es mir als Email zu schicken? Würde mich freuen :))
    :* Laurena

    AntwortenLöschen
  4. Da ich in einer Fernbeziehung lebe, kenne ich dieses Gefühl nur zu gut. Bei mir ist es leider Alltag und die gemeinsame Zeit und das nebeneinander-Aufwachen (wundervoll!) Ausnahmezustand.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar, auch können gerne konstruktive Kritik und Anregungen da gelassen werden. Kommentare zu gegenseitigem Verfolgen, sinnlose Beleidigungen und Werbung für den eigenen Blog sind nicht willkommen und werden auch nicht veröffentlicht. Direkte Fragen/ Antworten zum jeweiligen Post beantworte ich nur unter dem jeweiligen Kommentar, damit die Diskussion für andere besser verständlich ist.